70 Prozent der Pfarrer sehen "Ungehorsamsaufruf" positiv
Ein Umfrage unter 500 österreichischen Pfarrern zeichnet ein dramatisches Bild: Stolze 76 Prozent befürworten die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten.

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Spannende Ergebnisse liefert eine Umfrage unter 500 heimischen Pfarrern, die von der ORF Abteilung Religion kürzlich beauftragt worden ist. So orten zwei Drittel der Pfarrer einen "bedrohlichen Reformstau" in der katholischen Kirche und eine "dramatische Kluft" zwischen Kirche und moderner Kultur. 43 Prozent der Priester hoffen im derzeitigen Konflikt rund um den "Aufruf zum Ungehorsam" auf den von den Bischöfen einberufenen Reformdialog; 15 Prozent fürchten aber, dass die Gruppen nicht zueinander finden werden.
Hohe Akzeptanz für Priesterinnen
Frauen als Priesterinnen halten laut Umfrage 55 Prozent der Pfarrer für möglich - vom Evangelium her. Bezüglich der von Ex-Caritas-Chef Helmut Schüller initiierten Pfarrer-Initiative kommt die Studie zum Ergebnis, dass 70 Prozent der Pfarrer den Aufruf grundsätzlich positiv sehen - nämlich als Impuls für notwendige Reformen. Allerdings unterstützen mehr als die Hälfte der Befragten nicht alle Reformziele im Einzelnen: Sie wollen das Paket "aufschnüren" und einzelne Punkte eigens diskutieren.
Aufgrund der Studie ließen sich die 3.500 österreichischen Pfarrer in drei Typen einteilen: 31 Prozent sind Radikalreformer, die dem gesamten Inhalt des "Aufrufes zum Ungehorsam" zustimmen; 41 Prozent sind gemäßigte Reformer, die der Aktion positiv gegenüber stehen, aber gegen einzelne Positionen Vorbehalte hegen und 28 Prozent sind entschiedene Gegner der Pfarrer-Initiative. 60 Prozent der Befragten stimmten etwa dieser Aussage zu: "Die Ankündigung, dass die Pfarrer nicht mehr nur Wünsche äußern, sondern praktisch handeln, verhilft der Kirche zu mehr Glaubwürdigkeit." 77 Prozent widersprechen der Sanktionsforderung: "Wer den Aufruf zum Ungehorsam hartnäckig unterstützt, soll aus dem Amt entlassen werden, wie es das Kirchenrecht vorsieht."
Alter schützt vor Reformen nicht
Stolze 76 Prozent befürworten auch grundsätzlich die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten. Weiters sagen 71 Prozent, "verheiratete Priesterkollegen mit Familie sind eine Bereicherung". 60 Prozent können sich den sofortigen Einsatz kompetent ausgebildeter Laien in der Messe vorstellen. Diese Reformforderung findet aber noch mehr Zustimmung, nimmt man sie aus dem Kontext des "Ungehorsams" heraus - dann sagen 72 Prozent: "Es sollen Frauen und Männer, die für den Predigtdienst ausgebildet wurden, auch in der Feier der Eucharistie predigen dürfen."
Überraschend an der Studie ist, dass die älteren Priester reformfreudiger als die jungen scheinen: Bei den 61- bis 70-Jährigen gibt es 17 Prozent Reformgegner, bei den unter 40-Jährigen aber 51 Prozent. Weitere Details zur Untersuchung, die das Marktforschungsinstitut GfK durchgeführte, zeigt die Sendung "kreuz und quer" am Dienstag um 22.30 Uhr.











