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Zuletzt aktualisiert: 30.10.2011 um 15:20 UhrKommentare

Reiche bleiben auf Kosten der Armen trocken

Aufatmen in Bangkok: die Innenstadt dürfte vom Hochwasser verschont bleiben. Die Wälle, die das Stadtzentrum schützten, haben jedoch die Flutkatastrophe in den umliegenden ärmlichen Gegenden verschärft.

In den Hochwassergebieten bringen die Menschen ihre Habseligkeiten in Sicherheit

Foto © APAIn den Hochwassergebieten bringen die Menschen ihre Habseligkeiten in Sicherheit

Prayuth Khamken hatte in der Provinz Nakorn Phatom ganz nah bei Bangkok einen Bauernhof mit Gemüse. Bis Samstag. Dann kam das Hochwasser. Sein Land steht mehr als einen Meter unter Wasser. "Die Farm ist zu 100 Prozent zerstört", sagt der Landwirt resigniert. "Ich gehe, wir haben im Norden Thailands noch Land, vielleicht kommen wir nie wieder."

Im Herzen Bangkoks dagegen großes Aufatmen: "Wir haben den Stöpsel aus der Badewanne gezogen und sitzen mit einem Glas Wein auf dem Balkon", berichtet ein deutscher Geschäftsmann entspannt. Er hatte wie viele Innenstadtbewohner mehrere 20-Liter-Kanister Trinkwasser geordert und die Badewanne volllaufen lassen. Dass er auf dem Weg zur Arbeit nun nicht durch knietiefes Wasser waten muss, ist ihm ein gutes Fläschchen wert.

Die Einwohner des Stadtbezirks Thon Buri westlich des Flusses Chao Phraya haben nicht so viel Glück. Ihre Straßen stehen unter Wasser. "Jetzt haben sie auch das Wasser rationiert", sagt Nattaporn Boonthawatchai. Weil das zulaufende Wasser wegen der Überschwemmungen so schmutzig ist, dauere das Säubern länger, teilte der Wasserversorger mit.

Die Bangkoker Innenstadt ist auf Kosten der umliegenden Bezirke und Provinzen geschützt worden, daraus haben die Behörden keinen Hehl gemacht: Sie bauten im Norden der Hauptstadt riesige Flutwälle und pumpten das Hochwasser Richtung Osten und Westen. Die Innenstadt mit Banken, Firmensitzen, Hotels und vielen Ausländern sollte unter allen Umständen trocken bleiben.

Schon vor zwei Wochen entlud sich die Wut der Landbevölkerung, als die Pläne bekanntwurden. Auf ihren Feldern sei das Flutwasser auf vier bis fünf Meter gestiegen, klagte Cha-em Limswat. "Sie wollen Bangkok auf Kosten von Ayutthaya schützen", sagte sie der "Bangkok Post". Zusammen mit etwa 300 weiteren Anrainern demonstrierte sie gegen die Errichtung eines weiteren Flutwalls.

Im überfluteten Don Muang-Bezirk in Nordbangkok rissen Anrainer hinter dem Nawong Tempel am Sonntag eine Kanalbarriere ein, berichtete die Zeitung "Nation". In der Provinz Pathum Thani warf Regierungschefin Yingluck Shinawatra ihr politisches Gewicht in die Waagschale, um wütende Anrainer zu zähmen. Bagger rissen dort eine Straße auf, um eine weitere Ablaufrinne für Flutwasser zu schaffen - an Bangkok vorbei.

"Ich danke euch allen für euer Opfer", zitierten Lokalsender sie. "Wenn wir warten würden, bis die Wasserschleusen in Nordbangkok beschädigt sind, würden die Wassermassen nach Bangkok reinrauschen, und die Ausländer würden das Vertrauen verlieren, dass wir unsere Hauptstadt schützen können", sagte sie und versprach den Betroffenen volle Wiedergutmachung.

Die Regierungschefin könnte einen hohen Preis dafür zahlen. Ihre Machtbasis sind die Landbevölkerung und die kleinen Leute am Rand der schicken Stadtzentren. In einem zwischen Arm und Reich politisch tief gespaltenen Land besiegte sie im Juli eine Regierung, die die Unterstützung der alteingesessenen Eliten genoss.

"Das Chao Phraya-Bassin zu überfluten, um Bangkok zu retten, ist ein Spiegelbild der politischen Krise Thailands", schrieb der Politologe Thitinan Pongsudhirak in der britischen Zeitung "Guardian". "Da werden wieder die Armen und Unterdrückten gegen die urbanen Eliten ausgespielt." Er betonte: Es hätte dem Gerechtigkeitssinn gedient, wenn ein Teil der Fluten auch durch Bangkoks Zentrum gerauscht wäre.


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