Prüfung für Horror-Heim
Zwei ehemalige Zöglinge des Kinderheims Schloss Wilhelminenberg erheben schwere Vergewaltigungsvorwürfe gegen Erzieher. Nun prüft Kommission.

Foto © APAWilhelminenberg: Opfer sprechen von Serienvergewaltigungen im Heim
Jetzt soll eine unabhängige Historikerkommission die schrecklichen Geschehnisse im Kinderheim der Stadt Wien in Schloss Wilhelminenberg prüfen, kündigte SP-Gemeinderat Heinz Vettermann an. "Die Stadt Wien ist um eine lückenlose Aufklärung der Geschehnisse in Wiener Heimen bemüht."
Wie berichtet, erheben zwei Schwestern, die vor 40 Jahren als Sechs- und Achtjährige ins Kinderheim im Schloss Wilhelminenberg gekommen waren, schwerste Vorwürfe gegen Erzieher der Anstalt - bis hin zu Kinderprostitution und Serienvergewaltigung. Die Vergewaltigungen habe es "manchmal täglich" gegeben, "dann war ein, zwei Wochen Ruhe". An den Übergriffen sollen sich auch mehrfach die Erzieher beteiligt haben. Die Opfer vermuten im Interview mit dem "Kurier", dass bei den Vergewaltigungen auch Geld an die Erzieherinnen geflossen sein könnte.
Dass Gewalt in städtischen Heimen kein Einzelfall war, zeigt die Tatsache, dass die Stadt Wien seit Herbst 2010 eine Kommission zur Aufarbeitung von Vorwürfen eingesetzt hat. Bisher haben sich 343 ehemalige Heiminsassen bei der Opferschutzorganisation "Weißer Ring" gemeldet. "In 100 Prozent der Fälle kam es zu psychischen und physischen Übergriffen, manchmal unfassbar brutal, manchmal auch nur deutlich über der Grenze der damals herrschenden pädagogischen Ansicht", heißt es im Zwischenbericht der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft. Die Stadt Wien hat den Opferfonds auf 5,8 Millionen Euro aufgestockt.
Johannes Öhlböck, Anwalt der ehemaligen Zöglinge, die jetzt an die Öffentlichkeit getreten sind, sagt, dass bisher ein geringer Betrag anerkannt worden sei, "der dem Leid der Opfer nicht im Ansatz gerecht wird". Er fordert von der Stadt Wien nach dem Amtshaftungsgesetz Schadenersatz und die Übernahme von Therapiekosten. Und er will allfällige Täter belangen, "auch wenn sich das als schwierig erweist".







