Nach Joels Tod: Mutter klagt an
Nachdem ein 13-Jähriger auf Facebook gemobbt wurde, nahm er sich das Leben. Seit damals kämpft die Mutter für die Öffnung seines Accounts - ohne Erfolg. Der Anwalt fordert Schutz für die Opfer.

Foto © KK/PrivatAm 14. Mai 2010 legte sich Joel H. auf die Geleise. Nach der Facebook-Botschaft wollte der Schüler nicht mehr leben
Joel, du bist ein a..... Homo! Joel, du bist schwuler als die Polizei erlaubt". Darunter ist ein Pornofilm zu sehen. Der damals 13-jährige Schüler Joel H. war über die - auf seine Facebook-Seite - geschickte Nachricht eines "Freundes" so schockiert, dass er davonlief und sich vor einen Zug legte (wir berichteten). Das war im Mai 2010.
Seit damals kämpft seine Mutter Michaela H., dass die mit Joels Namen versehene pornografische Homepage aus dem Netz verschwindet. Und dass ihr Facebook Einblicke in den Account ihres Sohnes gewährt. "Damit ich weiß, wer Joel die Pornoseite geschickt hat und was sich in den letzten Stunden vor seinem Tod abgespielt hat", sagt sie. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen.
Ihr Rechtsanwalt Rudolf Pototschnig erklärt, was sie alles schon unternommen haben. "Wir haben Facebook ersucht, Auskünfte zu erteilen. Sie machen es aber nur, wenn wir einen Gerichtsbeschluss haben." Ein solcher wird nicht ausgestellt, da durch das Verschicken des Porno-Links nur der Tatbestand der Beleidigung erfüllt wurde. Pototschnig: "Deshalb gibt es keine Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft. Ein Täter könnte nur privatrechtlich verfolgt werden." Die Opfer könnten so aber keine Anträge auf Ausforschung des Täters stellen. Pototschnig weiters: "Wir haben auch Kontakt mit dem amerikanischen Betreiber der Webseite aufgenommen. Er weigert sich aber, diese aus dem Netz zu nehmen."
Das Ermittlungsverfahren gegen den anonymen Täter, der den Schüler in den Selbstmord getrieben haben soll, ist längst eingestellt. Da Cyber-Mobbing kein eigener Straftatbestand ist, wurde wegen Stalkings geprüft. "Dafür muss aber eine beharrliche Verfolgung vorliegen", sagt Pototschnig. Was ebenfalls nicht nachgewiesen werden konnte. Ein Beamter des Landeskriminalamtes hat der Mutter gesagt, sie solle sich damit abfinden. Es war eben nur ein böser Buben-Streich . . .
Pototschnig: "Bei der momentanen Gesetzeslage sind wir mit unseren Möglichkeiten leider am Ende. Wir können nur dafür sorgen, dass durch den traurigen Anlassfall, der Gesetzgeber aufgeweckt wird." Sowohl der Anwalt als auch Joels Mutter fordern, mehr Schutz für Opfer von Cyber-Mobbing. Pototschnig: "Dass zum Beispiel Facebook in solchen Fällen auch ohne Beschluss Daten herausgeben muss." Die Mutter: "In welchem Land leben wir, dass man Kindern ungestraft Pornoseiten zuschicken kann? Wo sind Gesetze für die Opfer? Für Joel ist es zu spät, aber möglicherweise für viele andere Kinder nicht."
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Tödliche Nachricht
Joel H. aus Velden wurde von Mitschülern an einem Gymnasium wochenlang schikaniert - wegen seiner paar Kilo zu viel und wegen markenloser Kleidung. Am 14. Mai 2010 besuchte Joel mit seinem Freund seine "Facebook"-Seite. Dort sahen die Burschen, dass einer von Joels "Freunden" einen Link gepostet hat. Joel sah sich die Seite an, lief aus dem Haus - direkt zu den Gleisen. Sein Freund konnte ihn nicht mehr einholen.











