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Zuletzt aktualisiert: 12.10.2011 um 20:34 UhrKommentare

96.000 Tonnen Essen für den Müll

Am Sonntag ist Welternährungstag. Während weltweit fast eine Milliarde Menschen hungert, landen allein in Österreich jährlich 96.000 Tonnen Essen im Müll. Ein beträchtlicher Teil sogar noch in der Originalverpackung.

Foto © APA

Ganz oben auf der Liste stehen Milchprodukte und Eier. Dann kommt Gemüse, gefolgt von Brot und Fleischwaren aller Art.

Was wie eine harmlose Einkaufsliste klingt, ist in Wahrheit das Gegenteil: Es ist eine Aufstellung jener Lebensmittel, die in Österreich Tag für Tag nicht gegessen werden, sondern im Müll landen. 96.000 Tonnen an noch genießbarem Essen sammeln sich laut Lebensministerium jedes Jahr in den österreichischen Restmülltonnen an. Damit ließe sich rechnerisch ganz Innsbruck ein Jahr lang ernähren. Anders ausgedrückt wirft jeder Österreicher im Schnitt 11,5 Kilogramm unverdorbenes Essen in den Müll.

Den Österreichern ist dieser Luxus viel wert. Jeder Bürger gibt laut Erhebung der Bundesregierung im Schnitt jährlich mehr als 300 Euro für Lebensmittel aus, die schließlich in den Mülleimern enden. "Auch die Wirtschaftskrise scheint an dieser Situation nicht viel geändert zu haben", sagt Felicitas Schneider, Expertin für Abfallvermeidung an der Wiener Uni für Bodenkultur (Boku). Das Vorurteil, wonach reiche Österreicher mehr Essen wegwerfen als ärmere, ist für die Forscherin eine Fehlannahme. Unterschiede gebe es nur beim Alter. In Regionen, wo eher betagte Menschen zu Hause sind, finden sich in den Mülltonnen weniger Lebensmittel als im Durchschnitt. "Bei ihnen scheint die Werthaltung gegenüber Nahrungsmitteln noch eine andere zu sein", folgert Schneider.

Wie kommt es, dass wir so unsorgsam mit unserem Essen umgehen? Experten machen dafür zum einen die vielen Lockangebote im Handel verantwortlich, die zum Kauf von Großpackungen anregen. Zudem hätten wir uns einfach "an billige Lebensmittel im Überfluss gewöhnt", sagt Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe.

Zu den privat entsorgten Lebensmitteln kommen freilich noch jene, die in den Supermärkten aus den Regalen genommen werden müssen. Zumindest hier setzt sich langsam durch, dass dieses Essen karitativen Einrichtungen wie Sozialmärkten zugutekommt.

Ungeöffnet in den Müll

Insgesamt, so sagt Schneider, werde in den Städten noch wesentlich mehr in den Mülleimer befördert als auf dem Land. So wirft der Durchschnittswiener laut Boku jährlich 40 Kilogramm Lebensmittel weg. Zehn Prozent davon landen in der ungeöffneten Originalpackung im Restmüll. Inklusive geöffneter und halb verbrauchter Lebensmittel macht das Essen sogar ein Drittel der Restmüllmenge aus.

Dabei liegt Österreich noch deutlich besser als manch andere Staaten. Weltweit, so hat die UN-Ernährungsorganisation FAO errechnet, geht ein Drittel der gesamten Nahrungsmittelproduktion in den Müll. Das sind 1,3 Milliarden Tonnen pro Jahr. Gleichzeitig leidet fast eine Milliarde Menschen an Unterernährung. Allein in den Industriestaaten wird jährlich so viel Essbares entsorgt, wie das gesamte südliche Afrika im selben Zeitraum produziert. Der Unterschied zwischen armen und reichen Ländern: Während in Europa und Nordamerika überwiegend Konsumenten und Handel für das Wegwerfen verantwortlich sind, geht in den Entwicklungsländern am meisten beim Transport zwischen Ernte und Verkauf verloren.

Ein Problem ist die Verschwendung nicht nur in ethischer Hinsicht. Etwa ein Viertel des weltweiten Wasserverbrauchs wird für den Anbau von Lebensmitteln verwendet, die später auf den Müll geworfen werden, heißt es in der neuen Dokumentation "Taste the Waste". Auch Land, Arbeitskräfte und Maschinen werden so quasi umsonst eingesetzt - mit verheerenden Auswirkungen auf die Klimabilanz. Dass sich dieser Trend bald ändert, ist nicht abzusehen.


Welternährungstag

Der Welternährungstag, auch Welthungertag genannt, findet seit 1979 jedes Jahr am 16. Oktober statt. Er soll darauf hinweisen, dass weltweit fast eine Milliarde Menschen an Hunger leiden muss. Jedes Jahr sterben etwa 24.000 Menschen an den Folgen, während in anderen Teilen der Welt jedes Jahr Hunderte Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll befördert werden.

Ausgewählt wurde das Datum, weil am 16. Oktober 1945 die Welternährungsorganisation FAO als UN-Sonderbehörde gegründet wurde. Sie soll die weltweite Lebensmittelverteilung verbessern.

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