Anti-Wall-Street-Protest: Mehrheit der Verhafteten frei
Hunderte Demonstranten brachten den Verkehr auf der Brooklyn Bridge zum Erliegen - dann griff die Polizei ein. Der Protest richtet sich gegen die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Proteste auch in Boston und anderen Städten.

Foto © AP"Eine Minderheit" der Demonstranten befindet sich noch in Haft
Fast alle der mehr als 700 festgenommenen Demonstranten bei Anti-Wall-Street-Protesten in New York sind am Sonntag wieder freigelassen worden. Die meisten der Festnahmen seien wegen "Ruhestörung" erfolgt, sagte ein Polizeisprecher. Einige der Festgesetzten kamen nach wenigen Stunden noch am Samstag (Ortszeit) wieder auf freien Fuß, am Sonntag wurden dann die meisten anderen freigelassen. Lediglich "eine Minderheit" befinde sich noch in Gewahrsam, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Die meisten seien auf freien Fuß gesetzt worden, würden aber wegen Störung der öffentlichen Ordnung vor Gericht vorgeladen. Wie viele Demonstranten in Gewahrsam blieben, sagte der Sprecher nicht.
Brutales Vorgehen der Polizei
Die Demonstranten sind über die Internetseite occupywallst.org ("Besetzt die Wall Street") vernetzt. Sie wollen mit ihren Aktionen nach eigenen Angaben gegen die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in den USA protestieren. Ihr Ärger richtet sich auch gegen das mitunter brutale Vorgehen der Polizei in New York, nachdem vor rund einer Woche ein Polizist Pfefferspray gegen vier Protestierende eingesetzt hatte, die sich bereits in Polizeigewahrsam befanden. Die Bewegung kündigte für Mittwochnachmittag einen neuen Marsch auf die Wall Street an.
Die Proteste gegen die Banken hatten am 17. September im kleinen Zuccotti-Park in Manhattan begonnen, Vorbild waren die Protestcamps in Spanien und von Demonstranten in der arabischen Welt. Eine geplante symbolische Besetzung der Wall Street wurde von der Polizei mit einem massiven Aufgebot verhindert. Diesmal hatten die Demonstranten daher beschlossen, zur Brooklyn Bridge zu ziehen.
Proteste auch in Boston
In Boston gab es Angaben der Polizei vom Samstag ähnliche Proteste, als eine große Menge am Freitagnachmittag (Ortszeit) vor einem Gebäude der Bank of America demonstrierte. Ihr Protest richtete sich unter anderem gegen Zwangsversteigerungen von Immobilien. Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich rund 3.000 Menschen an den Demonstrationen, die Polizei gab keine Schätzung ab. 24 Demonstranten wurden wegen unerlaubten Betretens eines Grundstücks festgenommen. Auch in Los Angeles, Albuquerque und New Mexico gab es am Samstag Anti-Wall-Street-Proteste.











