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Zuletzt aktualisiert: 30.08.2011 um 18:08 UhrKommentare

Kärntner Almbauern im EU-Visier

200 der rund 2000 Kärntner Almbauern stehen im Verdacht, überhöhte EU-Subventionen kassiert zu haben. Sie sollen über Jahre zu große Weideflächen gemeldet haben. Müssen sie zurückzahlen?

Foto © APA

Was ist ein grasähnlicher Zustand? Es ist dies keine Frage für Kiffer, die Millionenshow oder die Optimierung der Biogaserzeugung. Es ist jene Frage, mit denen sich die heimischen Almbauern Jahr für Jahr auseinandersetzen müssen. Denn nur für echte Almweidefläche - ohne Almrausch, ohne Bäume, Steine, Erlen, Sträucher, Matsch oder Wanderwege - können sie EU-Förderung lukrieren.

Seit dem EU-Beitritt ist das schon so und die Almbauern (rund 2000 bewirtschaftete Almen gibt es in Kärnten) rechnen zum Teil mit dem Maßband, zum Teil mit Fotos, zum Teil mit Begehung ihre Weidefläche heraus.

Digitale Berechnung

Seit 2010 muss die Fläche jedoch digital berechnet werden. Ähnlich den Satellitenbildern von Google Earth stellt das Prüfinstitut AMA den Bauern Luftbildaufnahmen ihrer Almen zur Verfügung. Man sieht die Steine besser, die Bäume werfen auf den Bildern keine Schatten mehr. Und so kam es, dass etliche Bauern die "Biodiversität" besser erkennen konnten und eine kleinere Almweidefläche angaben.

Haben sie also davor falsch gerechnet oder absichtlich über Jahre hinweg zu große Weideflächen gemeldet? Jetzt stehen 200 Kärntner Almbauern im Verdacht, vor 2010 überhöhte EU-Subventionen kassiert zu haben.

"Wir haben eine Sachverhaltsdarstellung mit der Bitte an die Landwirte geschickt, dass sie uns melden, wie es zu diesen Flächenveränderungen gekommen ist. Jetzt wird ausgewertet", sagt AMA-Sprecher Harald Waitschacher. Österreichweit sind 900 "verdächtig".

Die Euro-Beträge, um die es geht, dürften in tausenden gehen. Betroffen von eventuellen Rückzahlungen (bis 2007) sind auch noch andere Bauern, die ihr Vieh auf die Alm des Kollegen treiben.

Für den Kärntner Landwirtschaftskammerpräsidenten Johann Mößler "ist das Misstrauen der AMA schön langsam unerträglich. Es gibt doch bitte keinen Bauern, der die Tiere auf die Alm treibt, damit sie dann mit weniger Gewicht heimkommen". Sollte es zu Rückforderungen kommen, will Mößler einen Musterprozess anstrengen und finanzieren. Er sagt: "Bauern arbeiten viel, sind aber keine Wissenschaftler."

Mößler fordert aber auch ein anderes Rechenmodell. "Ich schlage vor, die Flächen anhand der Anzahl an aufgetriebenen Rindern zu ermitteln." Ein ausgewachsenes Rind, im Fachjargon eine "Großvieh-Einheit", benötige einen Hektar Futterfläche. Und kein Bauer treibt mehr Rinder auf die Alm, als Futter da ist.

EVA GABRIEL, DANILO REIMÜLLER

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