Rebellen: Keine Auslieferung von Lockerbie-Bomber Megrahi
Einen kleinen Vorgeschmack darauf, dass Libyen sich nicht nach dem Vorbild einer westlichen Demokratie organiseren wird, gab eine Ansage der Rebellen am Sonntag. Trotz Forderungen aus den USA und Großbritannien werde der verurteilte Lockerbie-Attentäter nicht an den Westen ausgeliefert. Bei dem Flugzeugattentat im Jahr 1988 starben 270 Menschen.

Foto © ReutersDer verurteilte Attentäter Abdel Basset al Megrahi küsst Gaddafi bei seiner Rückkehr nach Libyen im Jahr 2009 die Hand
Der verurteilte und später freigelassene Lockerbie-Attentäter Abdelbaset al-Megrahi wird nicht an den Westen ausgeliefert. Das sagte ein Minister des libyschen Nationalen Übergangsrates am Sonntag. "Wir werden keinen libyschen Bürger dem Westen übergeben", sagte der für Justiz zuständige Mohammed al-Alagi in Tripolis. Megrahi sei bereits einmal vor Gericht gestanden und werde sich nicht noch einmal verantworten müssen.
Die britische Zeitung "The Times" hatte am Freitag berichtet, Megrahi sei nicht mehr erreicht worden, seit die Kämpfe in Libyen zwischen den Rebellen und dem Gaddafi-Regime die Hauptstadt Tripolis erreicht hatten. Er muss laut Bewährungsauflagen regelmäßig Kontakt zu den schottischen Behörden halten. Schottland begnadigte ihn 2009 und entließ den verurteilten Lockerbie-Attentäter mit der Begründung, er leide unheilbar an Prostata-Krebs. Er wurde in Libyen damals wie ein Held empfangen.
Forderungen nach erneuter Inhaftierung
Bei dem Attentat auf eine Maschine der US-Fluggesellschaft PanAm über dem schottischen Lockerbie waren 1988 insgesamt 270 Menschen gestorben - darunter viele Amerikaner. Megrahi ist der einzige, der jemals dafür zur Rechenschaft gezogen wurde. Die konservativ-liberaldemokratische Regierung von Premierminister David Cameron hält die Freilassung - noch unter der Labour-Regierung von Gordon Brown bewerkstelligt - für einen Fehler. Forderungen nach einer erneuten Inhaftierung Megrahis kamen auch aus den USA.
Ob die Ansage Alagis, man übergebe keinen libyschen Bürger an den Westen auch für Angehörige des Gaddafi-Clans gilt, blieb offen. Der untergetauchte Langzeit-Machthaber Muammar al-Gaddafi und sein Sohn Saif al-Islam werden per Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH bzw. ICC) in Den Haag gesucht.










