Inzestfall erschüttert Österreich: Töchter 41 Jahre missbraucht
Ein heute 80-Jähriger soll im Bezirk Braunau seine beiden Töchter mehr als 40 Jahre lang missbraucht haben. Jetzt brachen sie ihr Schweigen. Der Mann wurde verhaftet, der Ort steht unter Schock.

Foto © APAGroßes Medieninteresse: Bezirkspolizeikommandant Martin Plumberger steht Rede und Antwort
Ein idyllisches altes Haus, versteckt hinter Bäumen. Eine kleine Zufahrtsstraße führt zu jenem Ort, an dem zwei Frauen vierzig Jahre lang von ihrem Vater sexuell missbraucht und geschlagen worden sein sollen. "Es ist ein Schock für die ganze Gemeinde", sagt Pfarrer Severin Lakomy.
Ein heute 80-Jähriger aus St. Peter am Hart bei Braunau soll in dem Haus jahrzehntelang seine beiden heute 45 und 53 Jahre alten Töchter misshandelt und in dem Haus der Familie von der Außenwelt so gut wie isoliert haben. Soziale Kontakte habe er den beiden Frauen fast völlig untersagt. Angeblich mussten sie sich in einem kleinen Zimmer des großen Hauses aufhalten und auf einer Eckbank schlafen. Sie sollen vom Vater auch mit dem Umbringen bedroht worden sein.
Die Mutter der Opfer verstarb 2008. Auch sie soll den Angriffen ihres Mannes ausgesetzt gewesen sein. Der Fall kam im Mai 2011 ins Rollen. Laut Polizei hatte der Mann erneut über seine ältere Tochter herfallen wollen. Doch sie habe den Angriff abgewehrt, sodass der Vater zu Boden stürzte. Zwei Tage harrte der Senior aus, konnte ohne fremde Hilfe nicht aufstehen. Eine Sozialarbeiterin holte schließlich Hilfe und schaltete die Polizei ein.
Am Donnerstag langte bei der Staatsanwaltschaft Ried der Abschlussbericht der Polizei über die Causa ein. Die Anklagebehörde ordnete gegen 13 Uhr die Festnahme des Pensionisten wegen Verdunkelungsgefahr an.
Der Mann war bis zu seiner Einlieferung in die Justizanstalt Ried in einem Altenpflegeheim. Nach dem Vorfall im Mai waren die Töchter alleine und begannen schließlich, ihr Schweigen zu brechen. Eine Hauskrankenpflegerin erstattete Ende Juni Meldung. Das Pflegschaftsgericht erließ daraufhin eine einstweilige Verfügung, wonach der Vater das Haus nicht mehr betreten durfte. "Erst als er aus dem Haus war, sind die Töchter ins Reden gekommen", sagt Ebner.
Die beiden Frauen sind geistig beeinträchtigt und daher besachwaltert. Auch in Sachwalterschaftsverfahren sollen sie bisher nie über ihr Martyrium geredet haben. Nun muss ein Haftrichter entscheiden, ob über den 80-Jährigen U-Haft verhängt wird. Die beiden Opfer werden zurzeit psychosozial betreut.
Die Nachbarn ahnten nichts
Welche Qualen die heute 53 und 45 Jahre alte Töchter durchleiden mussten, will niemand im Ort geahnt haben. "Sie waren schon Sonderlinge, ich hab nie gesehen, dass jemand zum Tratschen hingekommen wäre", sagt Maximilian Danecker. "Ich hab eine der Frauen manchmal gesehen, wenn sie das Grab der Mutter gespritzt hat oder die Mülltonne raus gebracht hat, sonst aber nicht", sagt Anrainer Josef Pointecker.
"Es ist so schockierend, was da passiert ist", sagt auch eine Friedhofsbesucherin vor dem Grab von Berta W., die 2008 gestorben war. Die Mutter war es, die das Haus geerbt hatte, Gottfried W. zog nach der Heirat zu ihr. Heute laufen nur ein paar Hühner um das in die Jahre gekommene Gebäude, die Töchter haben es inzwischen verlassen und werden außerhalb der 2600-Seelen-Gemeinde medizinisch und psychologisch betreut.











