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Zuletzt aktualisiert: 19.08.2011 um 18:19 UhrKommentare

Benedikt XVI. warnt vor "Verdunklung Gottes"

Während der Weltjugendtag in Madrid von erneuten Protesten überschattet wurde, hat Papst Benedikt XVI. am Freitag bei einer Ansprache vor hunderten Nonnen vor einer "Verdunklung Gottes" gewarnt.

Foto © AP

Der 84-Jährige rief im außerhalb von Madrid gelegenen Kloster El Escorial Hunderte Nonnen auf, aktiv ihren Glauben zu bezeugen. Die Polizei war am Vorabend in Madrid mit Schlagstöcken gegen Demonstranten vorgegangen, die gegen den Besuch des katholischen Kirchenoberhaupts protestierten.

Begeistert von Nonnen empfangen

Es gebe in der heutigen Welt eine "Verleugnung des Reichtums des Glaubens", die zum Verlust der "innersten Identität" der Christen zu führen drohe, warnte der Papst in einer Ansprache vor rund 1.600 zumeist spanischen Nonnen im Klosterkomplex von El Escorial knapp 50 Kilometer westlich von Madrid. In einer "Welt des Relativismus und der Mittelmäßigkeit" brauche die Kirche "die Radikalität", von welcher der Beitritt der Nonnen zur Ordensgemeinschaft zeuge, sagte Benedikt XVI., der zuvor begeistert von den Nonnen empfangen worden war.

In einer anschließenden Ansprache in der Basilika der im 16. Jahrhundert von König Philipp II. erbauten Kloster- und Palastanlage wandte sich der Papst vor rund 1.500 Professoren, Lehrern und Studenten gegen ein rein auf Nutzen ausgerichtetes Bildungsverständnis. Das Oberhaupt der weltweit rund 1,2 Milliarden Katholiken betonte, junge Menschen bräuchten "Referenzpunkte in einer Gesellschaft, die zunehmend verwirrt und labil ist". Bildung müsse mehr vermitteln als nur "technische Fähigkeiten".

Benedikt XVI. war am Donnerstag zu Mittag bei seiner Ankunft in Madrid begeistert von Hunderttausenden Jugendlichen empfangen worden. Am zweiten Tag seines insgesamt viertägigen Spanienbesuchs traf er zunächst den spanischen König Juan Carlos. Am späteren Nachmittag wollte er mit Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero zusammenkommen. Am Abend dann sollte der Papst auf einer breiten Allee im Zentrum Madrids einen Kreuzweg leiten.

Gemeinsames Essen mit zwölf Jugendlichen

Zwölf Weltjugendtagsteilnehmer aßen am Freitag mit dem Papst privat zu Mittag, wie Kathpress meldet. Zu Gast waren je eine junge Frau und ein junger Mann von allen fünf Kontinenten sowie zwei Jugendliche des Gastgeberlandes Spanien. Ausgewählt wurden die Gäste per Los aus den rund 30.000 freiwilligen Helfern des Großtreffens. Das Essen fand in der Vatikanbotschaft in Madrid statt, wo Benedikt XVI. während des Weltjugendtages residiert.

Jugendliche aus 15 Ländern sollten auf dem Paseo de Recoletos ein Holzkreuz an 14 Stationen vorbeitragen, bei denen der Leiden von Jesus Christus auf dem Weg zur Kreuzigung gedacht wird. Jede der Stationen auf der 700 Meter langen Strecke sollte an eine "Sünde der Menschheit" erinnern. Darunter sind auch "sexuelle Vergehen" und "Vergehen gegen Kinder", mit denen die katholische Kirche in den vergangenen Jahren zu kämpfen hatte.

Erdbebenopfer bei Kreuzweg

Ein emotionaler Höhepunkt mit Papst Benedikt XVI. für die Besucher des Weltjugendtages in Madrid: Das Kirchenoberhaupt verfolgte am Freitagabend gemeinsam mit Hunderttausenden von Gläubigen und Schaulustigen eine feierliche Kreuzwegandacht. Während der rund 90-minütigen Feier trugen Jugendlichen aus aller Welt das "Weltjugendtagskreuz" von Station zu Station. Das letzte Stück übernahmen Erdbebenopfer aus Japan und Haiti, wie Kathpress meldet.

Für den Kreuzweg wurden 15 historische Figurengruppen aus verschiedenen Regionen Spaniens nach Madrid gebracht und auf einem knapp einen Kilometer langen Weg zwischen Plaza de Colon und Plaza de Cibeles aufgebaut.

Zuvor hatten an der ersten Station Jugendliche aus dem Nahen Osten das Kreuz getragen und baten um Gebete für Konfliktgebiete. Auch arbeitslose und behinderte Jugendliche sowie junge Menschen aus Ländern wie dem Irak oder dem Sudan, in denen Christen diskriminiert werden, begleiteten das Weltjugendtagskreuz. Die Texte beim Kreuzweg behandelten aktuelle Situationen des Leidens in der Welt. Im Gebet gedachten die Jugendlichen Problemen wie Arbeitslosigkeit, Ausgrenzung, Drogen und Aids, aber auch des Hungers und der Naturkatastrophen in einigen Teilen der Welt.

"Die Passion Christi drängt uns, das Leiden der Welt auf unsere Schultern zu nehmen", führte Benedikt den versammelten jungen Christen vor Augen. Er sprach von der Gewissheit, "dass Gott nicht jemand ist, der dem Menschen und seinem Missgeschick distanziert und fern gegenübersteht." Auf dem Platz hatte der Papst am Vorabend bereits mit Hunderttausenden ein großes Begrüßungsfest gefeiert.

Treffen mit Regierungschef

Am späten Nachmittag war der Papst mit dem sozialistischen Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero zusammengetroffen. Spaniens Regierung kündigte an, den Vatikan um Unterstützung bei der geplanten Umgestaltung der Grabstätte des Ex-Diktators Francisco Franco (1939-1975) bitten zu wollen. Madrid will das Mausoleum im Valle de los Caídos (Tal der Gefallenen) zu einem "Ort der Versöhnung" machen. Das Grab Francos befindet sich in einem riesigen Komplex aus Kirche, Kloster und Mausoleum, der in einen Felsen geschlagen und von einem 150 Meter hohen Betonkreuz gekrönt ist.

Papst Johannes Paul II. hatte das "Kreuz der Jugend" 1984 der Jugend der Welt zur geistlichen Vorbereitung auf die internationalen katholischen Weltjugendtage übergeben. Seitdem wurde es durch Dutzende Länder getragen und machte Station an der Berliner Mauer, am Ground Zero in New York ebenso wie in asiatischen Slums und afrikanischen Städten. Vor dem Weltjugendtag in Madrid ist das Weltjugendtagskreuz ein Jahr lang durch alle Diözesen Spaniens gepilgert.

Mit Schlagstöcken gegen Demonstarnten

Am Rande des Papstbesuchs kam es am Donnerstagabend erneut zu Protesten. Die Polizei ging mit Schlagstöcken gegen etwa 150 Demonstranten vor, die auf dem Platz Puerta del Sol gegen die konservativen Ansichten des Papstes und die hohen Kosten des Weltjugendtages für den spanischen Staat demonstrierten. Die Demonstranten hatten vor dem Einschreiten der Polizei eine Aufforderung zur Auflösung ihres Kundgebung missachtet.

Nach Angaben der Kirche werden die Kosten für die sechstägige Großveranstaltung durch die Teilnahmegebühr der Besucher und private Spenden gedeckt. Zudem verweist die Kirche auf die Einnahmen, welche die Hunderttausenden Besucher aus aller Welt der spanischen Wirtschaft bescheren. Die Kritiker dagegen verweisen auf die Kosten für Sicherheit und Reinigung, die von den Steuerzahlern getragen werden müssen. Sie halten die Veranstaltung angesichts der derzeit in Spanien herrschenden Jugendarbeitslosigkeit und Wirtschaftsprobleme für unangebracht.


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