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    Zuletzt aktualisiert: 14.08.2011 um 08:44 UhrKommentare

    Britische Polizei wehrt sich gegen US-Hilfe

    Nach den schweren Krawallen will die britische Regierung polizeiliche Hilfe aus den USA - allen voran den New Yorker Polizeichef Bill Bratton - heranziehen. Polizeigewerkschaften in London und Manchester sprachen von einer Beleidigung ihrer Arbeit. Anklagen wegen Mordes in Birmingham.

    Polizeichef Bill Bratton

    Foto © APPolizeichef Bill Bratton

    Die britische Polizei wehrt sich gegen die Berufung des früheren New Yorker Polizeichefs Bill Bratton zum Berater im Kampf gegen die Jugendgewalt. Polizeigewerkschaften in London und Manchester sprachen am Samstag von einer Beleidigung ihrer Arbeit. Premierminister David Cameron hatte Bratton um Unterstützung gebeten. "Die amerikanische Polizeiarbeit wird bestimmt durch Gewalt", sagte Paul Deller von der Metropolitan Police Federation, die mehr als 30.000 Polizisten in der Hauptstadt London vertritt. "Wir wollen das in diesem Land nicht."

    Deller warf der britischen Regierung vor, Brattons Strategie gar nicht ernsthaft umsetzen zu wollen. Dieser habe in New York und Los Angeles die Zahl der Polizisten auf den Straßen erhöht, "während wir eine Regierung haben, die genau das Gegenteil tun will".

    Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft in Manchester, Ian Hanson, sprach von einem "Schlag ins Gesicht". Er erklärte im Sender ITV News, die Beamten an Ort und Stelle wüssten besser, was in ihren Gemeinden zu tun sei, als jemand, der 5.000 Meilen weit weg wohne. Die heimische Polizei brauche keinen solchen Ratgeber, sondern mehr Geld statt Personalkürzungen. Hanson verwies auf Pläne der Regierung, im Rahmen eines Sparprogramms in den kommenden vier Jahren landesweit den Polizeihaushalt um 20 Prozent zu senken und 16.000 Polizistenstellen abzubauen. Doch Finanzminister George Osborne machte in einem Interview mit dem Radiosender BBC deutlich, dass an der Polizeireform werde nicht gerüttelt werde.

    Cameron hatte das anfängliche Vorgehen der Polizei gegen die Krawalle als unangemessen kritisiert. Vier Tage lang hatten Randalierer, Brandstifter und Plünderer in mehreren großen englischen Städten gewütet. Mehr als 1.200 Menschen wurden festgenommen. Nach einer Verstärkung des Polizeiaufgebots herrschte dann am Freitag und Samstag weitgehend Ruhe in den Straßen.

    Im Kampf gegen Straßenbanden soll der Regierung nun William Bratton helfen, der frühere Polizeichef von New York, Los Angeles und Boston. Dieser sagte dem US-Sender ABC, Festnahmen allein lösten das Problem nicht. Sie seien vor allem ein Mittel gegen unbelehrbare Gewalttäter. "Es ist nicht nur eine Aufgabe der Polizei, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe", sagte Bratton. Auch Finanzminister Osborne räumte ein: "Es gibt sehr tiefsitzende soziale Probleme, die wir zu bewältigen haben."

    Birmingham: Anklagen wegen Mordes

    Nach den Ausschreitungen der vergangenen Tage wurde nach Angaben der Polizei allein in London gegen mehr als 740 Personen Anklage erhoben. Ihnen wird Gewalttätigkeit, Unruhestiftung und Plünderung vorgeworfen.

    Unter anderem sollen fünf Männer wegen Mordes angeklagt werden. Gegen die Verdächtigen im Alter von 26 und 17 Jahren wird nach Angaben der Polizei am heutigen Sonntag vor einem Gericht in der Stadt Birmingham Mordanklage erhoben werden. Die Männer sollen am vergangenen Mittwoch mit einem Auto drei Männer überfahren haben, die mehrere Familienbetriebe vor Plünderern schützen wollten. Dabei handelte es sich um den schwersten Angriff während der Ausschreitungen in Großbritannien. Insgesamt waren während den vier Tage andauernden Ausschreitungen fünf Menschen getötet worden.

    Ausschreitungen in Nordirland

    Eine Parade der Protestanten in der nordirischen Stadt Londonderry (Derry) führte am Samstag zu ähnlichen Ausschreitungen geführt, wie sie in der vergangenen Woche London und andere englische Städte erschütterten. Nach Angaben einer Polizeisprecherin brachten Randalierer am Nachmittag mehrere Autos und Lastwagen in ihre Gewalt und bewarfen Polizeifahrzeuge mit Brandbomben. In einem Fall hätten die Angreifer eine Frau und ihre Tochter aus deren Wagen gezerrt und seien dann mit dem Fahrzeug davongerast. In mehreren Straßen der Innenstadt dauerten die Krawalle laut der Sprecherin am Abend an. Sie rief alle Autofahrer, vor allem aber die Fahrer von Lieferwagen auf, die betroffenen Viertel zu meiden. Der Umzug der Protestanten führt jedes Jahr im mehrheitlich katholischen Londonderry zu Spannungen und Auseinandersetzungen. Doch erinnerten die Randale dieses Mal stark an die Krawalle der vergangenen Woche in anderen Teilen Großbritanniens.


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