Verdacht auf Kartell bei Dämmstoffen
Betriebe der Dämmstoffbranche sind ins Visier der heimischen Kartellwächter geraten. Wegen des Verdachts der Preisabsprachen ist es zu Hausdurchsuchungen gekommen. Häuslbauer könnten geschädigt worden sein.

Foto © FOTOLIAMögliche Kartell-Geschädigte: Häuslbauer, Baumärkte, Steuerzahler
Im Kampf gegen hohe Energiepreise gilt die thermische Sanierung als Wunderwaffe. In den vergangenen Jahren wurden und werden Programme zur Wärmedämmung auch mit Millionen an Steuergeld gefördert. Allein heuer liegt das Subventionsvolumen bei 100 Millionen Euro, bis 2014 fließen 400 Millionen Euro.
Umso brisanter sind die nunmehr seitens der Bundeswettbewerbsbehörde eingeleiteten Ermittlungen gegen ein angebliches Kartell in der Dämmstoffbranche. Bereits seit Wochenbeginn ist es in Österreich zu Razzien in mutmaßlich involvierten Betrieben durch Kripo- und Kartellbeamte gekommen. Das Kartellgericht hat einem Hausdurchsuchungsbefehl stattgegeben.
Es bestehe der Verdacht auf Preisabsprachen, "wir ermitteln noch, es läuft recht intensiv an", heißt es seitens der Wettbewerbsbehörde. Es gilt die Unschuldsvermutung. Ein Zeuge habe die Vorwürfe der Behörde bekannt gegeben. Demnach habe es Preis- und auch Gebietsabsprachen gegeben, denen man nun nachgehe. In dieser Branche habe es Mitte der 1990er-Jahre ein eingetragenes Kartell gegeben, das dann verboten worden sei. Dem Zeugen zufolge sollen diese Absprachen jedoch nie aufgehört haben. Als Höchststrafen blühen Kartellsündern bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes als Bußgelder. Die Liste möglicher Geschädigter ist lang, reicht vom einfachen Häuslbauer bis hin zu Baustoffhändlern und Baumärkten. Nicht zu vergessen: der Steuerzahler, der für die Fördermaßnahmen bezahlt. Branchenschätzungen zufolge könnten die mutmaßlichen Kartellmitglieder mit zumindest zehn Millionen Euro profitiert haben.
"Ein Blödsinn"
Dem Vernehmen nach soll es sich bei den Unternehmen, gegen die der Verdacht auf unerlaubte Absprachen erhoben wird, jedenfalls um drei Branchengrößen handeln - ein Unternehmen der Swisspor-Gruppe, die Firma Austrotherm sowie Steinbacher Dämmstoffe. "Es geht um einen reinen Verdacht - Preisabsprachen sind ein Blödsinn, würde ich jetzt sagen", wird Austrotherm-Chef Peter Schmid zitiert.
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GELDSTRAFEN DES KARTELLGERICHTS
Untermauern die bei den Razzien festgestellten Beweise den Verdacht, würde ein gerichtliches Verfahren eröffnet werden.
Die bisher höchste Kartellstrafe wurde 2008 im Aufzugs- und Fahrtreppenkartell ausgesprochen. Das Strafgeld hat sich auf 75,4 Millionen Euro belaufen.
2007 wurde eine Kartellstrafe im Ausmaß von sieben Millionen Euro gegen Europay (die heutige Paylife Bank) verhängt.
Zuletzt hatte die Bekanntgabe einer Kartellprüfung samt Razzien bei heimischen Bierbrauern für Aufregung gesorgt. Hier vermutet die Wettbewerbsbehörde Preisabsprachen beim Fassbierpreis für Cash&Carry-Märkte.
Ein von der Behörde angestrengtes Verfahren gegen ein angebliches Speditionskartell wurde indes im Februar dieses Jahres vom Kartellgericht eingestellt. Zum Ärger der Wettbewerbsbehörde.










