Prozess wegen wissentlicher HIV-Infizierung
Am Freitag ist im Wiener Straflandesgericht ein Prozess gegen einen 35-jährigen Mann eröffnet worden, der zwei junge Männer wissentlich mit dem HI-Virus infiziert haben soll. Der ÖBB-Bedienstete ist seit einigen Jahren HIV-positiv. Er soll seine Krankheit allerdings verschwiegen und mit den erheblich jüngeren Männern ungeschützten Geschlechtsverkehr praktiziert haben.
Die Anklage lautet auf absichtliche schwere Körperverletzung mit Dauerfolgen und vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten. Strafdrohung: Bis zu zehn Jahre Haft. Der 35-Jährige befindet sich seit Anfang Juni wegen Tatbegehungsgefahr in U-Haft.
Das Wiener Oberlandesgericht, das vor kurzem eine Haftbeschwerde abgewiesen hat, bescheinigt im entsprechenden Beschluss dem Angeklagten ein "wiederholt rücksichtloses und verantwortungsloses Verhalten". Der 35-Jährige soll sich in der Vergangenheit laut Zeugenaussagen in der Szene damit gebrüstet haben soll, er wolle "möglichst viele anstecken".
Der Mann wies diese Behauptung und die in der Anklage enthaltenen Vorwürfe zurück. Im ersten Fall habe er ein Kondom verwendet, der zweite Mann sei zum Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs bereits selbst HIV-positiv gewesen, weshalb man einvernehmlich auf Schutzmaßnahmen verzichtet habe.
Die Aussage des Burschen, den der Mann im November 2009 mit dem HI-Virus infiziert haben soll, erschütterte dann allerdings die Darstellung des Angeklagten. Der junge Mann, der nicht zuletzt infolge seiner Homosexualität im Sommer 2009 als knapp 20-Jähriger aus der Provinz in die Bundeshauptstadt gezogen war, schilderte, wie er in einem einschlägigen Lokal den 35-Jährigen kennenlernte, diesem vertraute, bei ihm übernachtete und dann ausgerechnet bei seinem "ersten Mal" angesteckt worden sei.
Die Verhandlung wurde zur Einvernahme des zweiten Mannes, der wissentlich infiziert worden sein soll, auf den 26. August vertagt.










