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Zuletzt aktualisiert: 20.10.2011 um 19:56 UhrKommentare

Ein Jahr unbedingte Haft für Kärntner Edelmetalldieb

Infineon-Prozesskrimi um Betriebsrat, der jahrelang Goldabfälle stahl. Schaden: 892.000 Euro! Über sein Motiv und warum das Urteil von drei Jahren Freiheitsstrafe - ein Jahr davon unbedingt - eher mild ausfiel.

Foto © Kleine Zeitung/Jürgen Fuchs (Symbolbild)

Wir fragen uns alle: Warum?" "Das habe ich mich selbst 100 Mal gefragt", antwortet der 49-jährige Villacher geknickt auf die Frage von Richter Gerhard Pöllinger. Alle im Verhandlungssaal sehen und hören, dass hier "kein typischer Verbrecher" (Staatsanwältin Daniela Zupanc) angeklagt ist. Der Familienvater ist bislang noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. "Das ist auch nicht mein Charakter", sagt er. Über 20 Jahre lang war er bei Infineon beschäftigt, war sogar Betriebsrat. Sein Verdienst: 2000 Euro netto. Auch privat lief es mit den beiden Kindern und der Ehefrau gut. Trotzdem war dieses Leben aus seiner Sicht eben nur fast perfekt.

Vor vier Jahren begann der Arbeiter, der für Reinigungsarbeiten an den Metall verarbeitenden Maschinen zuständig war, Goldabfälle in Blechbüchsen zu sammeln. Er wurde so gierig, dass er auch Silbergranulat, Platin- und Goldliner und sogar Goldbarren aus dem Firmentresor stahl. "Ich hab' gar nicht gewusst, was ich damit tun soll, ein Juwelier hat mir den Tipp gegeben, es zu verkaufen", sagt er. So ist er 68 Mal zu einer Edelmetall-Ankaufsstelle gegangen und lukrierte dort 769.000 Euro. "Ich sammle Mineralien, das ist schon eine krankhafte Leidenschaft - und immer kaufen ist teuer geworden." Richter: "Andere steigen dafür auf die Berge." "Ich ja auch." "Aber dann ist Ihnen offenbar eingefallen, dass man Mineralien leichter im Tresor findet", so der Richter. Der Angeklagte nickt bedrückt.

Auf Anraten seines Anwaltes Heinz Kramer erzählt er von seiner schwierigen Kindheit. Dann sagt er: "Ich wollte, dass meine Kinder ein besseres Leben haben, dass sie ein wenig mehr Freude und Lebensqualität haben." Mit dem ergaunerten Geld vergoldete er ihr Leben. Für sich kaufte er unzählige Mineralien und mehr Swarovski-Figuren, als der Hersteller in einem Geschäft hat.

Laut einem Infineon-Mitarbeiter beträgt der Schaden fürs Unternehmen 892.000 Euro. Knapp 100.000 Euro hat der Mann durch Rückgabe von Gegenständen wiedergutgemacht. 123.000 Euro Teilschadenersatz werden noch eingefordert. Der Schöffensenat verurteilte den von Anfang an voll geständigen Mann wegen gewerbsmäßigen und schweren Diebstahls zu drei Jahren Freiheitsstrafe, ein Jahr davon unbedingt - bei einem Strafrahmen bis zu zehn Jahren. Nicht rechtskräftig.

CLAUDIA BEER-ODEBRECHT

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Antenne Fritz Hanser, Kripo, zum Diebstahl

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