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Zuletzt aktualisiert: 03.07.2011 um 22:41 UhrKommentare

Fast 200 Verletzte bei Bahn-Protesten in Norditalien

Die Proteste gegen eine Hochgeschwindigkeitstrasse im Norden Italiens eskalieren. Zum zweiten Mal binnen weniger Tage kam es am Sonntag bei einer Demonstration gegen das Milliardenprojekt der Bahn zu heftigen Zusammenstößen zwischen Teilnehmern und Polizei.

Foto © APA

Mindestens 188 Beamte, mehrere Demonstranten und ein Bauarbeiter seien dabei verletzt worden, teilte die Polizei am Abend mit. Mindestens fünf Menschen wurden den Angaben zufolge festgenommen. Am vergangenen Montag waren fast 30 Menschen bei Zusammenstößen verletzt worden, darunter 25 Polizisten.

Rund 6000 Menschen demonstrierten am Sonntag zunächst friedlich in Chiomonte an der Baustelle eines Tunnels für die Schnellstrecke im Val di Susa in der Nähe von Turin. Im Verlaufe des Protests kam es dann an mehreren Stellen zu Zusammenstößen. Die Demonstranten warfen den Angaben zufolge Steine und Feuerwerkskörper auf die Beamten. Die Sicherheitskräfte setzten demnach Tränengas ein, um die Menge zu zerstreuen. Einigen Teilnehmern sei es gelungen, die Bauzäune zu überwinden, teilte die Polizei mit.

Viele Demonstranten, die in die Zusammenstöße verwickelt gewesen seien, hätten den Protest für Gewalt ausgenutzt. Mehrere Teilnehmer seien aus dem Ausland angereist. Unter den Demonstranten sollen sich auch Gruppen des berüchtigten "Schwarzen Blocks" befunden haben.

Der italienische Präsident Giorgio Napolitano verurteilte die Gewalt gegen die Sicherheitskräfte und erklärte, es werde nicht zugelassen, dass gewalttätige Teilnehmer die Proteste infiltrierten. Die Bewohner des Alpentales wehren sich mit allem Nachdruck gegen das 15 Milliarden Euro teure Projekt, das aus ihrer Sicht der Umwelt schadet und die Landschaft verschandelt. Dabei werden sie zunehmend von überregionalen Gruppen unterstützt. Die Bandbreite reicht dabei von Anarchisten bis zu Katholiken.

Die Trasse wird für eine Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Turin und Lyon gebaut und zum Teil mit EU-Geld finanziert. Sie soll den transeuropäischen Bahnkorridor von Lissabon nach Kiew schließen.

In Chiomonte geht es um einen 7,5 Kilometer langen Tunnel. Die Arbeiten dort begannen Ende Juni als Startschuss für den gesamten Bauabschnitt. Der Plan wird von Trassengegnern seit Jahren heftig bekämpft. Schon früher, vor allem 2005, hatte es im Val di Susa schwere Auseinandersetzungen um die Trasse gegeben.


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