Wirtschaftskrise führte zu Geburten-Rückgang
Die globale Wirtschaftskrise in den Jahren 2008/09 hatte deutliche Auswirkungen auf die Geburtenraten in zahlreichen Ländern. Wie eine Studie des Instituts für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg, führte die Rezession in Europa und den USA zu einem Rückgang der Fertilitätsrate.
In den entwickelten Ländern wurde der erstmalige Anstieg der Geburtenraten seit den 1960er Jahren durch die Krise gestoppt, teilte die IIASA am Dienstag mit. Vor allem in Spanien und den USA habe die erste schwerere Rezession seit den 1970er Jahren, als die Ölkrise die Weltwirtschaft schrumpfen ließ, eine plötzliche Trendumkehr bei den steigenden Geburtenraten mit sich gebracht.
In einer größeren Gruppe von Ländern wie England, Irland, Italien, Tschechien, Slowenien oder der Ukraine führte die Krise nach einem Jahrzehnt steigender Kinderzahlen zu einer Stagnation der Geburtenraten. Als Schlüsselfaktor für diesen Trend nennen die Demographen den Anstieg der Arbeitslosigkeit bzw. der Job-Unsicherheit. Kein eindeutiger Trend war in Ländern wie Deutschland, Schweden, Bulgarien oder Schweiz feststellbar.
Wie die Menschen auf die Wirtschaftskrise reagierten, hängt der Studie zufolge stark von Geschlecht, Alter, Zahl der Kinder und Bildung ab. "So bekommen etwa junge und kinderlose Personen während der Krise eher keine Kinder", so Tomas Sobotka vom Institut für Demographie. Frauen mit hohem Bildungsniveau, speziell wenn sie noch kinderlos sind, würden auf die mit der Krise einhergehende Job-Unsicherheit mit einem Aufschub ihres Kinderwunsches reagieren. Dagegen führe wirtschaftliche Unsicherheit bei weniger gebildeten Frauen oft zu einem Anstieg der Fertilitätsrate.
Die angesichts der Budgetnöte in vielen Ländern erfolgten Einschnitte bei den Sozialausgaben könnten die Auswirkungen der Krise auf die Kinderzahl noch deutlich verlängern.











