Digitales Kärnten hilft bei Zukunftsplanung
Unverzichtbarer "Geo-Informationsdienstleister": Vor 20 Jahren entstand KAGIS, das Kärntner Geografische Informationssystem, mit vielen Terabytes Daten. Nicht jeder weiß, was das ist, was es kann - und dass alle Kärntner irgendwie einbezogen sind.

Foto © Kagis Landesplanung150 Gäste feierten den 20. Geburtstag des Kärntner Geografischen Informationssystems
Ein Angler will wissen, welche Fische in einem See leben. Ein Interessent fürchtet, der begehrte Grund könnte in einem Hangrutschungsgebiet liegen. Ein Forstbeamter entdeckt ein Borkenkäfer-Nest, das beseitigt werden muss. Bürger wollen Behördenakte elektronisch erledigen. Verkehr könnte viel besser geregelt werden. Und die Behördengier nach Daten für die verschiedensten Verwaltungsverfahren ist ohnehin unersättlich!
All diesen Leuten kann geholfen werden - mit KAGIS. Was vor 20 Jahren mit ein paar plumpen Computern und Datentransfer per Fahrrad begann, hat sich zu einem - für Kärntens Verwaltung, Wirtschaft und viele Private - unverzichtbaren "Geo-Informationsdienstleister" entwickelt. Zehn KAGIS-Hauptbeschäftigte und 80 Mitarbeiter aus verschiedenen Landesabteilungen halten KAGIS aktuell und benutzerfreundlich.
Kärnten "nackt"
Das Land von Flugzeugen aus mit Laser-Kameras zu scannen, gehört zu den modernsten und ergiebigsten Methoden der Datensammlung. Per Software lässt sich die Vegetation wegrechnen und das Land "nackt" sehen. So kann man auf unbekannte Hangrutschungen stoßen, Forstwege planen und vieles mehr. "Wir hoffen, dass wir bis 2013 ganz Kärnten so erfasst haben", sagt Thomas Piechl von der Abteilung Wasserwirtschaft.
Von einer anderen Art Fotos profitiert Clemens Zuba von der Abteilung Forstwirtschaft. Infrarot-Falschfarben-Luftbilder zeigen sogar einzelne Bäume, die von Borkenkäfern befallen sind. Zuba und viele Kollegen sind mit ungewöhnlichen GPS-Geräten ausgestattet: Mit ihnen kann man das Käfernest lokalisieren, fotografieren, über KAGIS den Grundbesitzer ermitteln und ihm den Fund und die Aufforderung mailen, die Gefahr zu beseitigen.
Kärnten in Gefahr
Viele Erkenntnisse fließen zusammen, um die Menschen in unserem Bundesland sowie ihr Hab und Gut zu schützen. Das Projekt "Naturgefahren Kärnten" wurde für ganz Kärnten erstellt und in den Pilot-Gemeinden Radenthein, Bad Bleiberg und Dellach/Drautal erprobt. Schwerpunkte sind Hochwasser, Muren, Steinschlag und Lawinen. Mit KAGIS-Daten wurden gefährdete Flächen ermittelt und in Gefahrenhinweiskarten festgehalten, was unter anderem der Siedlungsentwicklung zugutekommt.
Aufschlussreiche Beobachtung am Rande: Viele Beamte halten sich bei Aussagen zum Klimawandel gern zurück. In ihren Unterlagen gehen sie wie selbstverständlich davon aus, dass aufgrund der Klimaänderung "alpine Tornados zunehmend häufiger" werden.
Vor Kurzem hat das KAGIS-Team mit 150 Sympathisanten aus ganz Österreich den 20. Geburtstag gefeiert. Festredner über "Die Vermessung der Erde" war der unterhaltsame Mathematiker Rudolf Taschner von der TU Wien. Amüsanteste Anekdote: "Schon vor 2500 Jahren wusste man, dass der Erd-Umfang 40.000 Kilometer beträgt. Die Römer waren schlechte Rechner und kamen nur auf 27.000 Kilometer. Da hätte sich der Seeweg nach Indien gelohnt, den Kolumbus gesucht hat, bei 40.000 Kilometern nicht. Amerika wurde also aufgrund eines Rechenfehlers entdeckt."
Features
Kagis
Geschichte: Das Kärntner Geografische Informationssystem KAGIS begann 1991 mit einer Handvoll Leuten und drei Computern in drei Landesabteilungen. Heute arbeiten fast 100 Personen mehr oder weniger intensiv an Pflege und Erweiterung des Systems und seinen Nutzungsmöglichkeiten.
Aufgaben: Sammlung und Bereitstellung von Daten über Verkehr, Wirtschaft, Wasserwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz, Geologie, Forst- und Landwirtschaft, Bildung, Raumordnung. Die Daten helfen bei Verwaltungs-, Investitions- und Standort-Entscheidungen.
Nutzer: Behörden, Wirtschaft, Wissenschaft, Private (Gewisse Auskünfte sind kostenpflichtig; Details dazu finden sich auf der KAGIS-Homepage). Immer wichtiger wird das E-Government, bei dem Behördenangelegenheiten zunehmend über das Internet erledigt werden.
Zugang: über das behördeninterne Intranet und öffentlich verfügbare Internet-Kanäle wie den "Kärnten Atlas".
Internet: www.kagis.ktn.gv.at
E-Mail: kagis@ktn.gv.at











