Ein Vater für alle Fälle
Vom Kosmopoliten zum Bergbauern, vom Einzelgänger zum Familien- und Adoptivvater, vom Alleinverdiener zum Hausmann: Anlässlich des Vatertages am Sonntag zeigt Gotthard Lercher aus Sirnitz, wie kurvig ein Männerleben verlaufen kann.

Foto © TraussnigAm Vatertag werden Väter geehrt - so wie Gotthard Lercher von Gattin Silvia und den Kindern Julia und Nikolaj
Mein Traumberuf war Lokführer", sagt Gotthard Lercher. Das wollten viele. Die Lokführer-Lehre bei den ÖBB mit Auszeichnung abzuschließen, gelang schon weniger Leuten. Ohne Vitamin B-eziehung sollte er als Heizer ins Marchfeld geschickt werden, also kündigte er, brachte den Grundwehrdienst mit Kfz-Spezialausbildung flott hinter sich - und war endlich frei.
Über Siemens in München kam er zu Linde-Anlagenbau und entdeckte die Welt auf Montage: Europa, Asien, USA, Südamerika. "Andere Menschen und andere Kulturen haben mir immer gefallen", sagt der 60-Jährige. In Russland sah er, wie die Behörden morgens um 6 Uhr die Opfer des Tschetschenien-Kriegs in Särgen vor dem Wohnblock der Angehörigen deponierten. In Thailand aß er gut, in Kuwait verbrachte er die einsamste Zeit seines Lebens.
Er erbte die kleine Landwirtschaft des Vaters in Grillenberg ober Sirnitz. Er arbeitete wieder im Stammhaus in München und fuhr öfters heim. "1997 traf ich nach der Arbeit eine Frau in Feldkirchen. Die interessierte sich dafür, dass ich in Russland war." Die Frau heißt heute Silvia Lercher-Janeschitz, Oberärztin im Klinikum Klagenfurt: "Damals schien er sehr von sich eingenommen. Aber je mehr er erzählt hat, desto besser hat er mir gefallen."
Mit Folgen: Die beiden adoptierten Julia (heute 13) und Nikolaj (12) aus Lenins Geburtsstadt Uljanowsk. Aus dem Globetrotter ist ein Hausmann (Eigendefinition) geworden und Gattin Silvia ist froh, dass sie ohne schlechtes Gewissen zum Nachtdienst kann, da es den Kindern gut geht.
Gotthards schönste Familienmomente? "Die Freude, als wir die Kinder zum ersten Mal sahen." "Wenn wir schon im März grillen und die Kinder helfen." "Als wir erstmals alle an der Adria waren." Um fünf Uhr kümmert er sich ums Frühstück, er nimmt teil an der schulischen Entwicklung der Kinder am Slowenischen Gymnasium. Was sollen die Kinder von ihm lernen? "Ehrlichkeit, Offenheit zu anderen, egal, welche Hautfarbe oder Religion sie haben. Und Menschenkenntnis, dass sie sich nicht von anderen blenden lassen."
Wahrscheinlich ist in jedem netten Vater eine kleine Prise "Lercher" . . .
Features
Der Tag hat viele Väter
Vatertag ist nicht gleich Vatertag. In Deutschland feiert man ihn seit 1936 nach volkstümlichem Brauch zu Christi Himmelfahrt. Man verwendet dafür auch den Begriff "Herrentag" oder "Männertag". Dabei geht es nicht immer unbedingt um ein Familienfest; in Nord- und Ostdeutschland bleiben Männer gerne unter sich.
Österreichs Väter lassen sich seit 1956 feiern. Wie auch der Muttertag soll er die oft unbelohnte Leistung der Väter ehren.











