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Zuletzt aktualisiert: 25.05.2011 um 22:24 UhrKommentare

Behörde warnt vor Tomaten, Salat und Gurken

Die lebensbedrohliche Darmerkrankung breitet sich immer dramatischer aus. Jetzt warnt das Robert-Koch-Institut davor, rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland zu essen.

Foto © APA

Das deutsche Robert-Koch-Institut (RKI) ist auf der Suche nach der Ursache für die zahlreichen Infektionen mit dem Darmkeim EHEC einen wichtigen Schritt weitergekommen. Am Mittwoch rieten das RKI sowie das Bundesinstitut für Risikobewertung, vorsorglich bis auf weiteres keine Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland zu verzehren.

Das Bundesverbraucherministerium begrüßte die Warnung als ersten Schritt, die Ursachen für die schweren Erkrankungen einzugrenzen. Das Ministerium habe am Abend die für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Länderbehörden informiert, sie würden sich nun bei den weiteren Untersuchungen auf die verdächtigen Lebensmittel konzentrieren. Es gelte nun, die genaue Herkunft der belasteten Waren so schnell wie möglich zu klären, erklärte das Ministerium.

Seit Mitte Mai breitet sich das Bakterium in Deutschland ungewöhnlich rasch aus. Die Erkrankung geht mit Durchfall, Erbrechen und Übelkeit einher. Der Erreger kann auch zu bleibenden Nierenschäden und zum Tod führen. Die Zahl der Erkrankten wächst. Die deutschen Behörden sprechen von mehr als 140 besonders schweren, so genannten HUS-Fällen. Das hämolytisch-urämische Syndrom, das durch das Ehec-Bakterium ausgelöst werden kann, kann zu akutem Nierenversagen führen; es geht einher mit Blutarmut durch den Zerfall roter Blutkörperchen und einem Mangel an Blutplättchen. Laut dem zuständigen Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin hat es so viele Fälle in so kurzer Zeit noch nie gegeben. Am Dienstag waren erst 80 HUS-Fälle bekannt gewesen.

Für Österreich vorerst keine Gefahr

Für Österreich gaben Experten gestern - vorerst - Entwarnung: "In Österreich gibt es keinen Grund zur Besorgnis", hieß es vom Gesundheitsministerium. Man stehe zwar in Kontakt mit den deutschen Kollegen, doch der aggressive Erreger, der in Deutschland umgeht, ist in Österreich noch nicht aufgetreten. Pro Jahr gibt es in Österreich ungefähr 60 Erkrankungen durch das Ehec-Bakterium, maximal eine davon verlaufe tödlich. "Bis jetzt sehen wir aber noch keinen Anstieg der Fälle", heißt es vom Ministerium weiter.

Sehr gute Kontrollen

Auch Gastroenterologe Günter Krejs beruhigt: "Es besteht keine Gefahr für Österreich." Die Erfahrung zeige, dass in Österreich prinzipiell nur sehr wenige Ehec-Fälle auftreten. "Wir haben sehr gute Lebensmittel-kontrollen", unterstreicht Krejs. Der Erreger wird nämlich von Tieren auf Menschen übertragen, das kann im direkten Kontakt passieren oder durch verunreinigte Lebensmittel. Obst und Gemüse können durchs Düngen mit dem Erreger infiziert werden, Krejs mahnt daher: "Rohes Gemüse und Obst gründlich waschen." Auch bei rohem Fleisch ist Vorsicht geboten.

Das Ansteckungsrisiko von Mensch zu Mensch ist sehr gering. "Das passiert nur durch Schmierübertragung über den Stuhl", erklärt Pamela Rendi-Wagner vom Gesundheitsministerium. Die Mensch-zu-Mensch-Übertragung könne auch nicht zu einem so großflächigen Ausbruch wie in Deutschland führen. "Nur große Mengen verunreinigter Lebensmittel lösen einen solchen Ausbruch aus", sagt Rendi-Wagner.

Laut österreichischem Gesundheitsministerium gibt es auch fünf HUS-Fälle in Schweden sowie einen in den Niederlanden und in Großbritannien. Die Betroffenen waren im Mai in Norddeutschland. Experten bezeichnen die hohe Zahl der schweren Verläufe von Ehec-Infektionen in Deutschland als extrem ungewöhnlich. Im Jahr 2010 wurden nur 65 HUS-Fälle gemeldet. Das RKI geht von weiteren Erkrankungen in Deutschland aus. "Wir müssen mit Todesfällen rechnen", sagte RKI-Präsident Reinhard Burger in Berlin.

Prüfung

Besonders viele Ehec-Patienten registrierten die deutschen Behörden in Schleswig-Holstein. Dort sollen etwa 100 Menschen mit dem Erreger infiziert sein, noch einmal so viele Proben werden noch geprüft. "Diese Entwicklung übersteigt jedes historische Maß", sagte der Mikrobiologe Werner Solbach vom Uniklinikum Schleswig-Holstein. Auch Hamburg meldete rund 100 nachgewiesene Infizierungsfälle.

NINA KOREN, SONJA SAURUGGER, APA

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