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Zuletzt aktualisiert: 23.05.2011 um 15:49 UhrKommentare

Jede zweite junge Frau wäre gerne Hausfrau

Bei Österreichs Jugendlichen finden sich laut aktueller Studie traditionelle Rollenbilder: Beruflicher Erfolg wird demnach bei den Männern stärker im Mittelpunkt gesehen.

Foto © Fotolia - Kzenon

Der Jugendmonitor wurde im Auftrag des Familienministeriums durchgeführt und am Montag präsentiert. Jugendminister Reinhold Mitterlehner (V) will nun Teilzeitarbeit aufwerten, den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze vorantreiben und das einkommensabhängige Kindergeld stärker bewerben und ausbauen.

Fast drei Viertel der Befragten wollen der Studie zufolge selbst einmal eine eigene Familie. Starke Geschlechterunterschiede gibt es laut Motivforscherin Sophie Karmasin beim Thema Ehe: Einmal zu heiraten erachten 60 Prozent der jungen Frauen, aber nur 34 Prozent der jungen Männer für sehr oder eher wichtig.

Kinderwunsch "sehr stark ausgeprägt"

"Sehr stark ausgeprägt" sei der Kinderwunsch, so der Politikwissenschafter Peter Filzmaier: 55 Prozent der befragten Frauen und 36 Prozent der befragten Männer wollen auf jeden Fall einmal Kinder haben. Insgesamt 40 Prozent meinten, sie wüssten es noch nicht, sechs Prozent schlossen Kinder aus.

Die Mehrheit, nämlich 62 Prozent, will zwei Kinder - die Größe des Wohnortes oder die Region spielten dafür praktisch keine Rolle. Mitterlehner verwies darauf, dass es mit einer Fertilitätsrate von 1,41 eine Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit gebe, ebenso beim Alter des ersten Kindes.

Klare Vorstellungen haben die Jugendlichen, was Kinderbetreuung betrifft: 77 Prozent sind der Meinung, Kinder bis drei Jahre sollten hauptsächlich von den Eltern zu Hause betreut werden. Die Betreuung 3- bis 6-Jähriger sieht die Mehrheit von 57 Prozent in einem Kindergarten. Die eigene Bereitschaft, beim Kind zu bleiben, unterscheidet sich davon: 36 Prozent der Frauen wollen bis zum dritten Lebensjahr beim Kind bleiben, rund jeder zweite befragte Mann hat noch keine Vorstellung dazu.

Sehr traditionelle Vorstellungen ortet Karmasin beim Thema Teilzeit: 85 Prozent der Frauen können sich vorstellen, für eine gewisse Zeit Teilzeit zu arbeiten, um sich um die Kinder zu kümmern, bei den Männern sind es nur 31 Prozent. Ein Ausgleich zwischen Familie und Beruf ist 76 Prozent der Frauen, aber nur 53 Prozent der Männer wichtiger als Karriere zu machen und viel Geld zu verdienen. Wenn der Partner gut verdient, wären 55 Prozent der jungen Frauen gerne Hausfrau. Gefragt, ob auch abgefragt wurde, inwieweit Jugendliche wissen, was etwa Teilzeit im Hinblick auf Einkommensverzicht bedeutet, verneinte Filzmaier, es handle sich um subjektive Einstellungen bzw. "Wunschdenken".

"Rollenbilder akzeptieren"

Mitterlehner betonte, man müsse die Rollenbilder akzeptieren, man wolle nichts vorschreiben - stattdessen müsse es entsprechende Angebote für Wahlfreiheit geben. Eine Konsequenz aus den Ergebnissen müsse es sein, Teilzeit aufzuwerten, es müssten die Lage der Arbeitszeit (Vormittag, Nachmittag) und die Entlohnung attraktiver werden.

Weiters will Mitterlehner das einkommensabhängige Kindergeld besser bewerben und ausbauen. Man werde sich in einer Evaluierung anschauen, inwieweit die Zielsetzungen erreicht worden seien und dann überlegen, ob man etwa mit den Einkommensgrenzen richtig liege. Der Minister schloss auf Nachfrage nicht aus, dass diese angehoben werden.

Den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze für die Kleinsten wegen der Vorstellungen der Jugendlichen nicht weiterzuführen, hielte Mitterlehner für "unrichtig" - man müsse Angebote für Wahlmöglichkeiten schaffen, denn wenn man sich die Wahlmöglichkeit nicht vorstellen könne, neige man dazu, im traditionellen Bereich zu verharren. Bis Juni laufe die Evaluierung der Anstoßfinanzierung (der Bund hatte den Ländern von 2008 bis 2010 finanziell beim Ausbau der Kinderbetreuung unter die Arme gegriffen), dann werde man entscheiden, wie es weiter geht. Der Minister wünscht sich eine Fortsetzung, die Frage sei nur, mit welchen strukturellen Zielen und wie die Finanzierungsfrage in dem Zusammenhang geklärt werden könne.

Grundsätzlich blickt die Jugend übrigens optimistisch in die Zukunft: 84 Prozent der Befragten sind sehr oder eher zuversichtlich - im Mai 2010 waren es noch 77 Prozent.


Grafik

Grafik © APA

Grafik vergrößernFamilienwünsche von Jugendlichen Grafik © APA

Fakten

Dem "Jugendmonitor" liegt eine telefonische Umfrage (Erhebungszeitraum 15. April bis 9. Mai) unter 800 Jugendlichen, repräsentativ für die 14- bis 24-Jährigen, zugrunde.

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