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Zuletzt aktualisiert: 09.05.2011 um 22:56 Uhr

Spital verschwieg den Tod der 17-Jährigen

Polizei erfuhr vom Tod der 17-jährigen Oberösterreicherin erst durch einen Hinweis von außen. Grazer Strafrechtsprofessor übt heftige Kritik.

Foto © AP

Die Hauptzeugin in einem laufenden Verfahren, möglicherweise das Opfer, stirbt im Krankenhaus - und niemand verständigt den Staatsanwalt. Unfassbar." Heimo Lambauer, Professor für Strafrecht an der Grazer Universität und ehemaliger Leiter der Oberstaatsanwaltschaft, spart nicht mit Kritik. "Da hätte sofort der Staatsanwalt verständigt werden müssen."

Genau das passierte im Fall der 17-jährigen Oberösterreicherin, die ihre Großeltern und zwei Nachbarn des sexuellen Missbrauchs bezichtigt hatte, nicht. Das Mädchen starb - wie berichtet - in der Nacht auf Freitag, nachdem es in der Linzer Wagner-Jauregg-Nervenklinik in den Tiefschlaf versetzt worden war. Erst am Nachmittag erfuhr die Polizei davon - durch einen Hinweis von außen. "Uns hat erst die Polizei verständigt", bestätigt der Linzer STA-Pressesprecher Rainer Schopper. Zu dem Zeitpunkt war die spitalsinterne Obduktion bereits abgeschlossen. Die Leiche wurde dann aber sofort beschlagnahmt.

Chemisches Gutachten

Seitens der Klinik hatte man es nicht für notwendig befunden, Anzeige zu erstatten. Es habe keinen Grund dafür gegeben, weil kein Fremdverschulden vorliege, so die Pressesprecherin des Spitalbetreibers Gespag, Jutta Oberweger. Das sieht Heimo Lambauer anders: In so einem heiklen Fall dürfe nicht im Spital "herumobduziert" werden. Das sei Sache eines Gerichtsmediziners.

Der trat gestern in Aktion. Über Auftrag des Staatsanwaltes wurde die Tote neuerlich obduziert. Die 17-Jährige war an Leberzersetzung gestorben. Wodurch diese verursacht worden war, ist noch nicht klar. Es werde noch Tage dauern, bis die toxikologischen und chemischen Untersuchungen abgeschlossen sind, so Schopper. Dann erst will die Staatsanwaltschaft eine offizielle Stellungnahme abgeben.

Die Strafverfahren gegen die Großeltern des Mädchens und die beiden Nachbarn laufen noch. Derzeit prüft das Justizministerium den Fall. Die Verteidiger der Beschuldigten rechnen aber mit einer baldigen Einstellung des Verfahrens, zumal bisher keine Beweise für einen tatsächlichen Missbrauch gefunden werden konnten.

Außerdem war die Sachverständige Heidi Kastner zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei den Anschuldigungen um Fantasien handelt. Anders die Mutter der Toten: Sie stellt die Kompetenz der Gutachterin infrage.

HANS BREITEGGER

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