Jede vierte Tierart bedroht
Laut EU-Umweltkommissar Janez Potocnik ist jede vierte Tierart in Europa vom Aussterben bedroht. Mit einer neuen Strategie will man nun den fortschreitenden Verlust der Artenvielfalt bis zum Jahr 2020 stoppen.

Foto © APAHusumer Protestschweine sind eine vom Aussterben bedrohte Rasse des Hausschweins
EU-Umweltkommissar Janez Potocnik warnte am Dienstag in Brüssel, dass jede vierte Tierart in Europa vom Aussterben bedroht sei. Das vom Menschen verursachte weltweite Artensterben verlaufe tausendmal schneller als unter natürlichen Bedingungen. 88 Prozent der Fischbestände in der EU seien überfischt oder erheblich dezimiert.
Insgesamt werde der Verlust von Biodiversität in den kommenden 50 Jahren geschätzte 2 bis 4,5 Billionen US-Dollar (1,348 Mrd. bis 3,03 Mrd. Euro) kosten, sagte Potocnik. Viele Dienstleistungen könnten nur durch funktionierende Ökosysteme erbracht werden. So brauche die Stadt Wien etwa keine Wasseraufbereitungsanlage, sondern das Trinkwasser werde durch eine 32.000 Hektar große Waldfläche natürlich aufbereitet.
Stark zurückgegangen ist nach Angaben der EU-Kommission auch die Insektenbestäubung in Europa, was der EU durch Verlust an Kulturpflanzen und natürlichem Hochwasserschutz enorme Verluste bereite. Den wirtschaftlichen Wert der Insektenbestäubung schätzt die EU-Behörde auf jährlich 15 Milliarden Euro.
Eigentlich hatte sich die EU schon das Ziel gesetzt, den Verlust der Artenvielfalt bis 2010 einzubremsen, sie war aber bei der Umsetzung des Ziels gescheitert. "Die frühere Strategie hat nicht die wirtschaftlichen Ursachen angesprochen", sagte Potocnik.
Die neue Strategie sieht etwa eine konsequentere Umsetzung der Natura-2000-Schutzgebiete vor, wie Potocnik sagte. "Wir müssen mehr bei Küsten- und Meeresgebieten machen." Der EU-Kommission forderte aber eine stärkere Konzentration auf bestehende Verpflichtungen, anstatt neue Ziele für die EU festzuschreiben. Teil des Vorschlags der EU-Kommission ist auch eine stärkere Koppelung landwirtschaftlicher EU-Beihilfen zum Schutz der Biodiversität, um eine nachhaltigere Form der Landwirtschaft durchzusetzen. So sollte eine solche Verpflichtung für die Empfänger von Direktbeihilfen künftig verpflichtend gelten, sagte der EU-Kommissar. Verstärken will Potocnik auch die Auflagenbindung für Hilfen aus der ländlichen Entwicklung, etwa durch Berücksichtigung der Biodiversität sowie der Wasser- und Bodenqualität.
Weitere Schwerpunkte der Strategie sind die Bekämpfung von sogenannten invasiven Arten, die eingeschleppt werden und heimische Bestände bedrohen, die Verbesserung von Ökosystemen durch "grüne" Infrastrukturen und einen besseren Schutz der Fischbestände. Finanzmittel könnten auch aus der EU-Strukturpolitik, den EU-Staaten und der Europäischen Investitionsbank aufgebracht werden, sagte der Kommissar.
Die neue Strategie stehe im Einklang mit den Verpflichtungen, die die EU im Vorjahr bei der Biodiversitätskonferenz im japanischen Nagoya eingegangen sei. "Ich bin zuversichtlich, dass dieses neue, sektorübergreifende Konzept ein Weg ist, um den Biodiversitätsverlust bis 2020 zum Stillstand zu bringen", sagte Potocnik.











