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Zuletzt aktualisiert: 29.04.2011 um 12:17 UhrKommentare

Wenn Dächer vom Himmel fallen

Ganze Straßenzüge sind verwüstet, Bäume wie Zahnstocher umgeknickt, massive Werbetafeln verbogen: Wenn die Menschen im US-Staat Alabama durch ihre Heimatstadt gehen, ist es, als streiften sie durch die Kulissen eines Endzeitfilms.

Foto © AP

"Es sieht aus wie ein Kriegsgebiet", sagt eine ältere Frau, die einen großen Koffer auf der mit Schutt bedeckten Straße zieht. "Alles, was ich will, ist hier wegzukommen." Weg von einem Ort, der von der gewaltigsten Tornado-Katastrophe des Landes seit Jahrzehnten besonders heftig getroffen wurde.

Birmingham ist die größte Stadt Alabamas, in der Metropolenregion leben rund 1,2 Millionen Menschen. Vor allem in Vororten mit leicht gebauten Holzhäusern konnten die Wirbelstürme ihre ganze zerstörerische Kraft entfalten. Im Stadtteil Smithfield etwa rissen sie Gebäuden das Dach weg, hoben andere komplett aus dem Fundament. Umfallende Bäumen krachten in Eigenheime, die nun zerborsten auf die Rückkehr ihrer Bewohner warten. Durchtrennte Stromleitungen baumeln gefährlich über dem Boden, von den Böen umhergeschleuderte Autos liegen auf der Straße.

Bürgermeister William Bell bemüht sich im Radiosender NPR, die Schäden in Worte zu fassen. "Ganze Wohngegenden sind weg. Kirchen sind weg. Geschäfte weg", sagt er. "Als ob jemand eine Bombe abgeworfen hätte." Geschäftsbesitzer Jack Welch erinnert sich vor allem an eine Szene: "Es fielen Holzbalken vom Himmel", sagt er. Allein hinter seinem kleinen Supermarkt seien "weit mehr als 30 Häuser" zerstört worden.

Kreuz und Null

Die Tornados zogen am Mittwoch über mehrere Staaten im Südosten und Mittleren Westen der USA. Dem Nationalen Wetterdienstes (NWS) wurden allein für Mittwoch 160 Wirbelstürme gemeldet. In der Nacht auf Freitag stieg die Zahl der Todesopfer auf mehr als 300 an, und die Rettungsmannschaften suchten weiter nach Vermissten. Damit dürfte die Katastrophe von 1974 übertreffen, als bei einer Tornado-Serie 310 Menschen ums Leben gekommen waren.

Allein in Alabama starben mindestens 204 Menschen, mehr als 1.700 wurden verletzt. Der Bundesstaat befindet sich im Notstand, rund 2.000 Soldaten der Nationalgarde helfen bei den Rettungs- und Aufräumarbeiten. Ein "großes katastrophales Ereignis" nannte Gouverneur Robert Bentley die Wirbelstürme. Auch seine Heimatstadt Tuscaloosa, wo die Universität von Alabama ihren Sitz hat, gleicht einem Trümmerfeld. Von Gebäuden stehen nur noch einige Wände. Tische, Betten und Sofas liegen über Gärten und Straßen verstreut.

Owen Simmons steht vor seinem beschädigten Haus in Tuscaloosa und zeigt auf ein Kreuz und eine Null, die in schwarzer Farbe an die Außenwand gepinselt sind. "Das bedeutet, dass die Rettungsteams mein Haus bereits überprüft haben und keine Opfer gefunden haben", sagt er. "Das ist, was wirklich zählt." Robert Mitton schaut ebenfalls auf die Reste seines Heims. "Ich will jetzt nicht darüber nachdenken, wie viel ich verloren habe", sagt er. "Ich hoffe, wir können etwas Hilfe von der Regierung bekommen."


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