"Michelle" singt jetzt hinter Gittern
28-Jährige gab sich bei Veranstalter als Schlagersängerin Michelle aus. Am Montag legte das Double einen skurrilen Gerichtsauftritt hin. - Mit vier Bodyguards und null Einsicht.

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Ist das ein Mann oder eine Frau? Reichen Stöckelschuhe und wasserstoffblonde Haare aus, um das klar zu erkennen? Und wer bitte sind ihre/seine vier Begleiter, die mit Funk ausgestattet nicht von der Seite weichen? Montag 8.30 Uhr am Landesgericht Klagenfurt. Der Auftritt dieses Angeklagten ist wohl einer der skurrilsten, die es hier je gegeben hat. Richter Oliver Kriz Aug' in Aug' mit den vier Bodyguards: "Das ist ja wie bei einem Mafia-Prozess." Egal. Wenn der/die Angeklagte diese als Schutz vor den vier Journalistinnen (!) haben möchte, bitte. Kriz: "Wie heißen sie?" "Ich heiße Sabine Florian N. Künstlername Natascha Moreno." Der Richter weiter: "Was bitte dürfen wir als Geschlecht eintragen?" "Offiziell bin ich noch nicht als weiblich eingetragen, aber ich bin weiblich."
Der 28-jährigen Oberösterreicherin wird von Staatsanwalt Christoph Pollak vorgeworfen, sich mehrfach als Schlagersängerin Michelle ausgegeben zu haben und dadurch Veranstalter getäuscht zu haben. Das sei schwerer Betrug. Strafrahmen bis zu viereinhalb Jahre Haft. Staatsanwalt und Richter verweisen auf die fünf einschlägigen Vorstrafen. Kriz: "Fühlen sie sich schuldig?" "Nein", sagt sie und bleibt bis zum Schluss dabei. "Ich bin keine Betrügerin." Sie sagt, sie habe seit ihrer Kindheit Lieder von Michelle nachgesungen. "Ich biete aber keine Double-Show, sondern ich bin eine eigenständige Künstlerin, mit eigener Show, habe sogar zwei Go-go-Boys. Ich habe mich nie als echte Michelle ausgegeben." Auch die Künstlerverträge habe sie niemals als Michelle unterschrieben.
Eine Großdiskothek ist trotzdem auf sie reingefallen, hat ihr für einen Auftritt vorab bereits 2200 Euro überwiesen. Wie konnte das passieren? Der Diskomanager: "Ich kenne die echten Namen der Künstler nicht. Wir haben geglaubt, dass die echte Michelle Natascha Moreno heißt." Auf ihrer Homepage hatte sie zudem Fotos der echten Schlagersängerin und verwendete den Slogan "Die neue Michelle". Und dass sie "nur" 2200 Euro für den Auftritt verlangte, machte nicht stutzig? "Nein, damals nicht", sagt der Manager. Jetzt wisse er aber, dass der echte Schlagerstar wohl zehn Mal so teuer wäre.
Der Richter ließ alle Schlager-Träume platzen: "Sie sind kein Star und kein Starlet. Sie haben Leute getäuscht." Heißt: 18 Monate Gefängnis. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
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Schlagersternchen "Michelle"Foto © APA
Höhen und Tiefen
Seit 1993 ist die deutsche Schlagersängerin Michelle (Lieder: "Nenn es Liebe oder Wahnsinn" oder "Dein Püppchen tanzt nicht mehr") im Geschäft. Eine Karriere mit Höhen und Tiefen. 2010 veröffentlichte sie ihr neues Album. Der Transsexuelle war auch in Deutschland als Michelle-Double unterwegs, wurde dort allerdings vom Betrugsverdacht freigesprochen.










