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Zuletzt aktualisiert: 23.03.2011 um 21:44 UhrKommentare

Geiselnehmer wollte drei Beamte töten

Der Geiselnehmer von Klosterneuburg hatte von vornherein seinen Selbstmord geplant. Drei ihm verhasste Beamte wollte er mit in den Tod nehmen. Die Frau, die er als Geisel nahm, gehörte nicht dazu.

Foto © Reuters

Klosterneuburg, am Tag danach: Der Amoklauf und die Geiselnahme in der Bezirkshauptmannschaft sind Gesprächsstoff in der Stadt. Auch in der Trafik gegenüber der BH wird geredet. "Gib mir zwei Quick-Tipps", sagt der ältere Mann zum Trafikanten. "Und eine kugelsichere Weste", fügt er hinzu.

Dann erzählen sich Trafikant und Kunde, was sie Dienstag gegen 13.30 Uhr erlebt haben. "Meine Frau ist gerade aus der BH gekommen - und ich bin auf dem Parkplatz gestanden, als es gekracht hat", erinnert sich der Kunde. "Ich war auch da vorne und habe die Schüsse gehört", antwortet der Trafikant.

In der Bezirkshauptmannschaft scheint inzwischen der Alltag wieder seinen amtlichen Lauf zu nehmen. Oder doch nicht? "Etwa 30 der 150 Bediensteten benötigen psychologische Hilfe", sagt Bezirkshauptmann Wolfgang Straub. Auch die 52-jährige Margarethe B., die sechs Stunden in den Händen des Geiselnehmers war, wird vom Kriseninterventionsteam betreut.

Bezirkshauptmann Straub berichtet den Medien vom Amoklauf und der Geiselnahme im Amt. Er selbst sei nicht anwesend gewesen, als die Tragödie ihren Lauf nahm. "Ich war auf dem Weg zur Gemeinde, da erhielt ich den Anruf von meiner Sekretärin. Ich bin sofort zurück. Die erste Streife war schon da." Die Polizisten rannten hinauf zum Tatort - und fanden vor der Kanzlei den schwerstverletzten Forstamtsleiter. Alexander M. (57), verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern, wurde von zehn Projektilen in den Bauch, den Unterleib und in die Oberschenkel getroffen.

Versorgung der Pferde

Straub: "Ich bin in die Telefonzentrale. Der Geiselnehmer wollte mit mir reden. Ich sollte ein Gespräch mit Herrn Aufhauser auf Gut Aiderbichl herstellen. Er wollte, dass seine Pferde dort ein ordentliches Zuhause bekommen. Die Versorgung der Pferde, das war alles, was er verlangt hat. Sobald dies zugesichert sei, würde er die Geisel freilassen. Die Pferde waren seine einzige Beziehung, die er noch hatte."

Dass er mit seinem Leben bereits abgeschlossen hatte und die "Schuldigen" offensichtlich mit in den Tod nehmen wollte, brachte Alfred Otto F. (55) ebenfalls zum Ausdruck. Der Bezirkshauptmann: "Die Geisel war nicht Zielperson. Sie wurde zufällig zum Opfer."

Mit zwei sogenannten "Halbautomaten" (halb automatische Schusswaffen, ähnlich einer Maschinenpistole) wollte er auf die drei verhassten Personen feuern. Einen schoss er nieder, den Forstamtsleiter. Die zweite Zielperson, Bezirksförster Martin A., hörte die Schüsse und flüchtete von seinem Büro in die Kanzlei des Amtstierarztes, ohne zu ahnen, dass er nun stundenlang in der Falle sitzen würde. Die Ausgangstür war nämlich versperrt, weil Amtstierarzt Holger H. - die dritte Zielperson - nicht anwesend war. Zurück konnte A. auch nicht mehr, denn dann wäre er dem Täter direkt in die Arme gelaufen. So musste er bis zum Ende des Geiseldramas im Nebenraum ausharren.

Seit sieben Jahren habe Pferdezüchter Alfred Otto F. einen Rechtsstreit mit der Behörde ausgetragen. "Er hat im Wasser- und Landschaftsschutzgebiet illegale Aufschüttungen durchgeführt. Wir haben ihn angewiesen, dass er sie beseitigen muss. Weil er den Bescheid ignoriert hatte, führte die Behörde die Arbeiten durch. So entstanden Kosten, der Mann konnte nicht bezahlen. "Wir wollten die Pferde pfänden. Das ging aber nicht, weil sie abgemagert waren. Deshalb beauftragten wir, dass die Tiere von außenstehenden Personen versorgt werden. Das passte ihm auch nicht", erzählt Straub.

Lokalaugenschein

50 Kilometer vom Tatort entfernt, in der Gemeinde Wolfsgraben, befindet sich das Anwesen von Alfred Otto F. 17 Pferde weiden auf den Koppeln. Eines hat F. im Wald erschossen, offensichtlich sein Lieblingspferd. "Gut sehen diese Tiere tatsächlich nicht aus", bemerkt Bürgermeisterin Claudia Bock, die F. vor Jahren bei einem Lokalaugenschein (wegen der Aufschüttungen) kennengelernt hatte. "Damals war er einsichtig. Aber die Lage hat sich offensichtlich in letzter Zeit zugespitzt", sagt die Gemeindechefin. "Jetzt war er auch für die Gemeinde nicht mehr erreichbar." F. lebte allein, zurückgezogen, ohne soziale Kontakte. Bock: "Er war zwar hier gemeldet, wo er tatsächlich gewohnt hat, wissen wir nicht. Auf dem Anwesen gibt es kein Haus, nur Stallungen und Unterstände."

HANS BREITEGGER

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