Nach Geiselnahme: Kein "Business as usual"
An "Business as usual" war am Mittwoch in der Bezirkshauptmannschaft Wien-Umgebung in Klosterneuburg nicht zu denken. Den Mitarbeitern ist der Schock noch ins Gesicht geschrieben. "Es sind viele daheimgeblieben", berichtete Bezirkshauptmann Wolfgang Straub.

Foto © APADer Schock an der Bezirkshauptmannschaft sitzt noch tief
Am Tag nach der Geiselnahme, bei der ein Abteilungsleiter durch Schüsse lebensgefährlich verletzt worden war und an deren Ende sich der Täter selbst erschoss, stand den Mitarbeitern der Schock noch ins Gesicht geschrieben. "Es sind viele daheimgeblieben", berichtete Bezirkshauptmann Wolfgang Straub.
Auch das Akutteam war noch an Ort und Stelle im Einsatz. "Wir haben gestern schon alle eingeladen, sich zu melden", so Straub. Auch er selbst werde die psychologische Betreuung vermutlich in Anspruch nehmen: "Ich bin schlichtweg fertig". Das Betreten des Büros sei heute keinem leicht gefallen, "bei den Schritten ins Gebäude ist der Schock erst so richtig hervorgekommen".
Dennoch lief am Mittwoch zumindest der Parteienverkehr im üblichen Ausmaß, gesperrt blieb lediglich - dienstlich und als Tatort - die Forstabteilung. Kunden scheuten den Weg in die Behörde nicht und auch außerhalb des Gebäudes lief alles in gewohnten Bahnen, von den Sperren und dem Polizeiaufgebot des Vortages war nichts mehr zu bemerken.
Stadtgespräch waren die Ereignisse aber allemal. Während die einen die kurzfristige Berühmtheit inklusive der Anzahl der Titelblätter, auf die es die Geiselnahme geschafft hatte, diskutierten, zeigten sich andere erleichtert, dass die Dinge spurlos an ihnen vorübergegangen waren. "Ich hatte Gott sei Dank frei und hab daher nichts mitbekommen", meinte ein Mitarbeiter des gegenüberliegenden Supermarkts. Aufregung herrschte auch in der nahe gelegenen Trafik. "Wir mussten zusperren, die Leute wurden angewiesen, in den Häusern zu bleiben. Aber ich wollte nicht weg - ich kenn die von da drüben ja alle", so der Besitzer vor mehreren Kunden.
Tiefe Betroffenheit
Im Rathaus zeigte man sich tief betroffen. "Man predigt immer Bürgernähe in der Verwaltung. Die Schattenseiten davon sind Ereignisse wie diese", sagte Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (V) noch am Dienstagabend.
Die Schüsse - laut Polizei über zehn - waren auch noch außerhalb des Gebäudes deutlich zu hören gewesen. Er habe gerade mit seiner Frau und den zwei Kindern sein Lokal aufsperren wollen, berichtete ein Wirt. "Plötzlich ging es ratatatata, dann eine kurze Pause und dann noch einmal ratatatata. Ich hab zu meiner Familie gesagt 'Steigt ins Auto und fahrt nach Hause. Hier wird geschossen'", schilderte der Mann. Auch in der Bezirkshauptmannschaft war das Knallen zu hören. "Für mich war's erst, wie wenn Holz umfliegt", sagte ein leitender Mitarbeiter. An Schüsse habe er zunächst nicht gedacht - "man kombiniert das Geräusch ja nicht, wenn man im Büro sitzt".











