Betagte Frauen im Visier von Räubern
Betroffene stürzen oft schwer und trauen sich danach nicht mehr alleine vor die Türe. In Klagenfurt wurde am Montag erneut eine 81-Jährige überfallen.

Foto © Weichselbraun/Symbolfoto
Schon wieder ist eine betagte Frau (81) ausgeraubt worden! "Es ist immer dasselbe", seufzt Renate Mosser, Leiterin des Opferschutzvereines "Weisser Ring". Die 81-jährige, die Montagmittag auf offener Straße ausgeraubt wurde, passe in das Schema junger Täter. "Die achten nämlich genau drauf, dass sie jemanden erwischen, der sich nicht wehren kann." Und das seien eben meist: betagte, gebrechliche Damen. Expertin Mosser: "Wenn diese Frauen attackiert werden, bricht eine Welt für sie zusammen." Die Welt, in der sie vorher spazieren gingen, Einkäufe erledigten und selbstbestimmt Entscheidungen trafen. "Die Pensionistinnen wollen dann nicht mehr vor die Türe, heben das Telefon nicht mehr ab und trauen nichts und niemandem mehr", sagt Mosser. "Die Zahl der Betroffenen steigt ständig."
Schnelles Geld
Seit Jahresbeginn gibt es beinahe wöchentlich Überfälle. Von wem? "Von Tätern aus der Drogenszene, die schnell Geld für den nächsten Rausch brauchen." Die überlegen nur: Wie komme ich am einfachsten an ein paar Euro? "Leider klammern sich die Opfer oft instinktiv an ihre Handtasche, während der Täter daran reißt." Daher würden die Pensionistinnen oft so schlimm stürzen. "Viele werden sehr schwer verletzt." Wie etwa eine 84-Jährige aus Wolfsberg. Sie erlitt Prellungen am ganzen Körper und musste längere Zeit ins Krankenhaus, nachdem ihr zwei Männer die Tasche geraubt hatten. Dazu kommen die seelischen Verletzungen. "Bei manchen Opfern dauert es mindestens ein halbes Jahr, bis sie nach einem Überfall wieder alleine vor die Türe gehen."
Es sei furchtbar, meint Mosser, wenn die Frauen ihren letzten Lebensabschnitt dann völlig isoliert verbringen würden. Und das alles, wegen eines Überfalls, bei dem 20 Euro erbeutet wurden. "Die Erfahrung zeigt nämlich, dass die Opfer meist nicht besonders viel mehr Geld mithaben." Aber das sei den Tätern egal. Hauptsache es reicht für ein paar Drogen.
Features
Kampagne für Senioren
Aus Statistiken geht hervor, dass vor allem Pensionisten vermehrt Kriminalitätsopfer werden. Daher startete der "Weisse Ring" die Kampagne "Keine falsche Scham", die von Christiane Hörbiger unterstützt wird. Mosser rät: "Nur kleine Handtaschen verwenden, wenig Geld mitnehmen und bei einem Übergriff sofort alles auslassen." Gerade ältere Menschen sind, wenn sie Opfer einer Straftat werden, häufig überfordert. Über 60-Jährige zeigen zudem eine geringere Bereitschaft, eine Straftat anzuzeigen. Daher gibt es eine große Dunkelziffer. Infos: 0699/13434009. Spendenkonto: PSK 1016000











