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Zuletzt aktualisiert: 22.03.2011 um 18:04 UhrKommentare

Hohe Zuschläge, lange Wartezeiten

Die Arbeiterkammer hat den privaten Krankenversicherern in Österreich auf den Zahn gefühlt und etliche Fallstricke entdeckt. Wie lange Wartezeiten oder Leistungsausschlüsse.

Foto © APA

Rund 2,8 Millionen Österreicher verfügen über eine private Krankenzusatzversicherung - doch erweisen sich die Produkte für die Verbraucher als zu wenig transparent, beklagte gestern die Arbeiterkammer (AK). Vorerkrankte Personen würden oft ohne Begründung abgelehnt, wer dennoch akzeptiert werde, müsse mit teuren Prämienzuschlägen, Leistungsausschlüssen oder Wartezeiten rechnen. Abhilfe schaffen könnte ein verpflichtendes Informationsblatt nach deutschem Muster und eigenes Engagement der Verbraucher: Sie sollen mehrere Angebote einholen und vergleichen, rät die Arbeiterkammer.

Überraschend war für die AK-Tester der hohe Anteil von gänzlichen Ausschlüssen von Zusatzversicherungs-Interessenten. Vier Testpersonen haben sieben heimische Krankenversicherer aufgesucht, dabei gab es insgesamt 28 Beratungsgespräche und 27 Angebote. Allerdings wurden von den 27 Anträgen auf Vertragsabschluss 16 abgelehnt, zehn davon ohne Begründung.

Gesunde gefragt

Natürlich gebe es keinen Kontrahierungszwang für einen Krankenversicherer, "aber die Versicherer wollen offenbar nur Gesunde aufnehmen, ist unser Eindruck - obwohl die Prämien happig sind", kritisierte die Leiterin der AK-Konsumentenpolitik, Gabriele Zgubic.

Vorerkrankungen - aber auch aktuelle gesundheitliche Probleme, selbst wenn sie nicht allzu gravierend seien - würden offenbar gerne zum Anlass für hohe Zuschläge, Ausschlüsse oder lange Wartezeiten genommen, moniert die AK. Dabei sei "oft nicht nachvollziehbar, ob das auch gerechtfertigt ist", so Zgubic. Dies habe sich bei den vier Testpersonen gezeigt: ein dreijähriges Kind, das im Vorjahr Bronchitis hatte und eine Woche im Spital lag, eine 23-jährige Frau mit starkem Übergewicht und einer Schilddrüsenunterfunktion, einem stark übergewichtigen 40-jährigen mit Bluthochdruck, erhöhten Leberwerten und einer Knochenfraktur im letzten Jahr sowie einer 43-Jährigen u.a. mit Restless-Legs-Syndrom und Penicillin-Allergie. Hier habe es jeweils etliche Ablehnungen gegeben, teils ohne Begründung, oder Angebote mit Prämienzuschlägen von bis zu 50 oder 70 Prozent oder 12 bis 36 Monaten Wartezeit vor einer Leistung.

Laut AK sollte man auf folgende Dinge achten:

Welche Versicherung: Die Krankenversicherung gut aussuchen, in der Regel hat man die Versicherung ein Leben lang, ein späterer Wechsel ist meist wegen des höheren Einstiegsalters sehr teuer.

Leistbarkeit: Vorher abklären, kann man sich die - steigenden - Prämien auf Dauer leisten.

Vorerkrankungen: Ein Probeantrag zeigt, ob und von welchen Versicherungen man mit Vorerkrankungen angenommen wird. Vorerkrankungen werden höchst unterschiedlich bewertet.

Deckung: Vor kostspieligen Behandlungen eine schriftliche Deckungszusage der Versicherung einholen, sonst kann es teuer werden.

Prämienersparnis: Tarife mit Selbstbehalt sind deutlich günstiger. Bei Selbstbehalt zwischen 500 und 1500 Euro laut AK-Erhebung um 30 bis 60 Prozent.

Prämie retour: Es gibt Tarife mit Prämienrückgewähr für Jahre, in denen keine Leistung von der Versicherung erbracht werden musste.


Fakten

Den privaten Krankenversicherungsmarkt in Österreich teilen sich wenige Anbieter auf.

2009 dominierte die Uniqa Personenversicherung mit 48,3 Prozent Marktanteil, gefolgt von der Wiener Städtischen mit 20,2 und der Merkur mit 14,0 sowie der Generali mit 13,4 Prozent.

Das Prämienvolumen betrug 1,59 Milliarden Euro, dem standen - ohne Kosten der Versicherungen - rund 1,05 Milliarden Euro Leistungszahlungen (davon 743 Millionen Krankenhauskostenersatz) gegenüber.

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