26-Jährige brachte im AKH Fünflinge zur Welt
Eine Tochter hat die Familie Dür aus Niederösterreich schon - gestern kamen fünf Mädchen dazu: Erstmals seit 19 Jahren wurden in Österreich Fünflinge entbunden - und alle sind wohlauf.

Foto © Kurier I Franz Eder Ein Teil der glücklichen Großfamilie
5.500 Gramm Geburtsgewicht. Nein, nicht für ein Baby - sondern für das komplette Quintett: In der 29. Schwangerschaftswoche wurden am Freitag ab 12:37 Uhr die fünf Mädchen der niederösterreichischen Familie Dür zur Welt gebracht. Per Kaiserschnitt. Die winzige und dabei so große Sensation: "Den fünf frühgeborenen Mädchen mit jeweils etwa 1000 Gramm (genau sind es 960 für das leichteste und 1160 für das schwerste) geht es, dem Geburtsgewicht angemessen, gut", vermeldete stolz das AKH Wien.
Stolz und überglücklich sind vor allem aber die Eltern: die 26-jährige Kinderpädagogin Tugba und der 30-jährige Buschauffeur Ahmet Dür, dessen Eltern vor mehr als 35 Jahren aus der Türkei nach Österreich gekommen waren. Eine sechsjährige Tochter haben die beiden bereits, demnächst wird sie ein Sechs-Mäderl-Haus auf Trab halten.
Wie groß das Risiko einer Fünflingsgeburt ist, war dem Paar bewusst. Doch nach der Geburt ihrer älteren Tochter Ayse - die gemeinsam mit ihrem Papa und der Oma gestern bereits die Babys bewundern durfte - war den beiden jeder weitere Kinderwunsch versagt geblieben, die Frau erlitt mehrere Fehlgeburten. Erst nach einer Hormonstimulation klappte es. "Die Ärzte haben uns vor einer Fünflingsschwangerschaft und den damit verbundenen Gefahren gewarnt. Sie empfahlen uns, die Zahl der Embryos zu reduzieren", erzählte Ahmet Dür dem Kurier. "Aber welches der fünf Herzen, die schon zu schlagen begonnen hatten, hätten wir zum Schweigen bringen sollen?"
Also: Leben mit dem Risiko. Die Familie und auch das AKH Wien, wo die Mutter die letzten zwei Wochen vor dem Kaiserschnitt schon stationär behandelt wurde, waren auf alles gefasst. "Wir haben uns gefürchtet vor einer Geburt in der 23./24. Woche", gab Prof. Martin Langer, einer der drei Kaiserschnitt-Operateure, gestern Abend im Gespräch mit der Kleinen Zeitung offen zu. Oder vor der "entsetzlichen Horrorvision", dass nicht alle Kinder gesund, manche behindert sind. Doch dann die Erlösung . . .
Ursprünglich wäre der Kaiserschnitt für Mitte nächster Woche geplant gewesen, doch der Mutter ging es nicht mehr gut, also entschied man sich für den Freitag. Ein insgesamt 40-köpfiges Team arbeitete zusammen - im Kreißsaal waren, schildert Prof. Langer, 25 Personen. Die die Mutter vom Kreuzstich bis zur Entbindung betreuten und dann die fünf Neugeborenen in Empfang nahmen. Sie liegen nun auf der Neonatologischen Intensivstation und werden bis zum errechneten Geburtstermin - voraussichtlich "acht bis zehn Wochen" - im AKH bleiben.
Fünflinge 1992 in Graz
Dort gab es, so Langer, übrigens noch keine Fünflingsgeburt - die letzte in Österreich liegt 19 Jahre zurück: Am 3. April 1992 wurden in Graz Kärntner Fünflinge entbunden, allerdings überlebten nur die drei Mädchen.
Wobei Mädchen bei Frühgeburten grundsätzlich bessere Überlebenschancen haben. Warum? Langer erklärt es zunächst wissenschaftlich und bringt's dann mit einem Lächeln salopper auf den Punkt: "Frauen sind wohl das zähere Geschlecht..."
Der Arzt nutzte aber auch die Gelegenheit, auf die Problematik von Mehrlingsschwangerschaften und die damit verbundenen Komplikationen aufmerksam zu machen. Er und Peter Husslein, Chef der Wiener Uni-Frauenklinik, plädieren dafür, bei In-vitro-Fertilisationen die Zahl der implantierten Embryonen zu begrenzen. Ähnlich könnte man bei Hormontherapien verfahren.











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