Wie werde ich Medaillien-Präger
In Wien Mariahilf befindet sich die "Medaillien-Werkstatt": Hier werden unterschiedliche Verdienstzeichen und Ehrenmedaillen hergestellt, mit denen rund 450 Personen pro Jahr gewürdigt werden. Erfahren Sie mehr über das Handwerk.
Quelle © Fotolia Sujetbild
"Bei uns ist alles Heavy Metal", sagt Georg Huber und zeigt auf eine Hydraulikpresse. In die Maschine ist ein wuchtiger Prägestempel aus Eisen eingespannt, der mit einem Druck von bis zu 700 Tonnen ein bestimmtes Muster in einen Blechstreifen drückt. Der Arbeitsschritt ist mehr oder weniger die Geburtsstunde des Wiener Goldenen Ehrenzeichens und artverwandter Auszeichnungen. Denn Hubers Firma "Victoria Awards" beliefert das Wiener Rathaus nämlich mit den unterschiedlichsten Verdienstzeichen und Ehrenmedaillen, mit denen rund 450 honorige Persönlichkeiten pro Jahr gewürdigt werden.
Die Bandbreite der "Dekorationen", wie das Geschmeide im Fachjargon genannt wird, reicht vom Ehrenbürger bis zur Rettungsmedaille, vom Ehrenring bis zum Sportehrenzeichen. Insgesamt 22 Auszeichnungsvarianten listet die "Ehrenzeichenkanzlei", seit 1976 sozusagen die Stabsstelle für derlei Angelegenheiten, auf. Im Paragrafendschungel der Bundeshauptstadt findet sich freilich auch das "Wiener Ehrenzeichengesetz".
Schwierige Handarbeit
Hergestellt wird der Schmuck in einer Werkstatt in Mariahilf, vollgeräumt mit schweren Maschinen, Werkzeug, Dutzenden Gefäßen mit Ölen, Pulvern und Flüssigkeiten sowie allerlei Metallen. Die Fertigung der Stücke ist unterschiedlich aufwendig, wobei etwa das Große Goldene Ehrenzeichen zu den handwerklich komplexeren Auszeichnungen gehört. Dafür werde sechs bis sieben Stunden gewerkt, sagt Huber. Insgesamt rund 15 Leute legen Hand an, wobei "Victoria Awards" auch die Republik Österreich und Lichtenstein mit Ehrenzeichen versorgt.
Unabhängig vom Dekorationstyp erfolgen die einzelnen Arbeitsschritte in einer stets ähnlichen Abfolge: Nach der Prägung des Musters wird das entsprechende Blechteil mit Hilfe eines halbautomatischen Eisenungetüms aus den 1960er Jahren gestanzt - sprich: in seine grobe Form gebracht. Feinheiten müssen anschließend mit der Laubsäge nachgearbeitet werden.
Im Anschluss folgt mit der Emaillierung der heikelste Schritt. Dabei wird Glasgranulat in unterschiedlichsten Farben verflüssigt, auf das Blech aufgetragen und anschließend bei 700 bis 800 Grad gebrannt. Details darüber hütet Huber wie einen Schatz - denn: "Wir sind eine der letzten fünf Firmen weltweit, die das können." Nur soviel: Das Geheimnis der Emaillierkunst liege vor allem in der Körnung des Granulats.
"Ein dirty job"
Zuletzt muss das Geschmeide noch poliert werden. "Es ist feucht, es stinkt, es dauert - ein dirty job", erklärt der Firmenchef. Denn um die Auszeichnungen auf Hochglanz zu bringen, ist "Gatscharbeit" vonnöten. Denn hierfür muss sogenanntes Bimsmehl zu einer schlammigen Masse angerührt werden, um damit die Oberfläche des Schmuckstücks zu behandeln. Ist das erledigt, werden die Gold- und Silberlinge in ein repräsentatives Schmuckkästchen gelegt und ins Rathaus geliefert.
Derzeit lagern rund 1.000 Ehrenzeichen und Medaillen im "Hochsicherheitstrakt", wie Oberamtsrätin Petra Rama - sie leitet die Ehrenzeichenkanzlei - den Standort der beiden Tresore nennt. Die fünf Mitarbeiter im Dachgeschoß, wo die Abteilung noch bis Juni provisorisch untergebracht ist, da der Stammsitz im zweiten Stock renoviert wird, nehmen nicht nur die etwa 600 Einreichungen pro Jahr entgegen, sondern sind zudem mit der Veranstaltung der Verleihungsfeierlichkeiten betraut.
Die Bestellung der Live-Musik und das Verschicken der Einladungen gehören ebenso zum Aufgabenbereich der Kanzlei wie die Bereitstellung der Getränke und die Terminkoordination mit diversen Stadtratbüros. Für all das hat die Würdigungszentrale laut Rama jährlich 141.000 Euro zur Verfügung, wobei die einzelnen Ehrenzeichen unterschiedlich hoch zu Buche schlagen. Die Preisspanne für ein Dekorationsstück liegt zwischen rund 200 und 4.260 Euro, wobei die Stadt für den mit allerlei Steinen besetzten "Ehrenring" am meisten Geld hinlegen muss. Nicht allzu überraschend also, dass nach dem Tod des Geehrten die Hinterbliebenen - anders als bei übrigen Auszeichnungen - dazu verpflichtet sind, den hochpreisigen Fingerschmuck, abgesehen vom auf der Innenseite angebrachten Widmunsgblättchen, zurückzugeben.











