Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
22. Mai 2013 21:55 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Krisensitzung in London nach Terrorakt Betrunkener Großvater ließ 7-Jährigen ans Steuer Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Chronik Nächster Artikel Krisensitzung in London nach Terrorakt Betrunkener Großvater ließ 7-Jährigen ans Steuer
Zuletzt aktualisiert: 09.02.2011 um 17:29 UhrKommentare

Polizisten einvernommen: Keine genauen Angaben

Im Prozess um den bereits über 18 Jahre zurückliegenden Mord an der Salzburgerin Silke Schnabel wurden am Mittwoch zwei Polizisten einvernommen. An Einzelheiten des Falls konnten sie sich nach so langer Zeit jedoch nicht mehr erinnern.

Der Angeklagte wurde am Montag vernommen.

Foto © APADer Angeklagte wurde am Montag vernommen.

Am dritten Prozesstag im Mordfall Silke Schnabel sind am Mittwoch am Landesgericht Salzburg jene zwei Polizisten einvernommen worden, die den Angeklagten Anton W. (52) nach der mutmaßlichen Tatnacht am 11. Juli 1992 gegen 6.20 Uhr an der Salzach-Böschung schlafend vorfanden. Wie andere Zeugen auch konnten die Polizisten achtzehneinhalb Jahre später keine genauen Angaben machen. Eines behielten sie aber in Erinnerung: "Die Jeans des Mannes waren nass und bis zu den Knöcheln herunterzogen. Die Unterhose lag neben ihm. Das war nicht normal."

Einer der beiden Polizisten vermutete damals ein Gewaltverbrechen, weil der Mann regungslos im Gras lag. "Ich glaubte er sei tot und habe ihn zwicken müssen, damit er aufsteht." Wie die Jacke aussah, die drei Meter entfernt im Gestrüpp hing, wusste der 42-Jährige heute nicht mehr. Laut einem Bericht, den die Polizisten nach Auffindung der Leiche des 17-jährigen Mädchens am 21. Juli 1992 bei Ranshofen (OÖ) in Braunau am Inn schreiben mussten, handelte es sich um eine helle Trainingsjacke mit Reißverschluss, blauen Bündchen und weißem Frottee an der Innenseite. "Wenn das so steht, wird es stimmen", verwiesen die zwei Zeugen auf ihre früheren Aussagen.

Damenbluse als zentraler Punkt

Den Polizisten wurde schon damals ein Lichtbild von jener weißen Damenbluse vorgehalten, die Kripo-Beamte am 29. Juli 1992 bei einer Hausdurchsuchung bei Anton W. fanden. Damals sagten sie, bei der an der Salzach aufgefundenen Jacke handle es sich nicht um diese Bluse. Das Beweismittel ist jedoch im Laufe der Jahre verschwunden. Die beiden Zeugen wussten heute noch, dass das Gras an der Uferböschung etwa 80 Zentimeter hoch und zwei bis drei Meter um Anton W. herum niedergetreten war. Eine niedergetretene Spur reichte von der Schlafstelle von W. bis zum Fluss. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Mädchen von dem Angeklagten vergewaltigt sowie erwürgt und dann in die Salzach geworfen wurde.

Die weiße Damenbluse stand auch bei den anderen Zeugeneinvernahmen im Mittelpunkt des Interesses. Ein Freund des Angeklagten hatte 1992 geschildert, die Mutter von Anton W. habe erzählt, dass ihr Sohn die Bluse nach Hause mitgenommen habe, sie die Knöpfe entfernt hatte und das Textil auch vernichten wollte, die Polizei habe es zuvor aber sichergestellt. Heute konnte sich der Mann nicht mehr an diese Angaben erinnern. Er erzählte, er habe Anton W. am Abend des 11. Juli - also nach der mutmaßlichen Tat - in einem Lokal getroffen. "Er hat sich wie immer verhalten, es ist der Schmäh gelaufen."

Der vorsitzende Richter Günther Nocker zeigte auch der zwei Jahre älteren Schwester von Silke Schnabel ein Foto der weißen Bluse. "Ja, das war meine. Nur die Rostflecken darauf kenne ich nicht. Ich habe die Bluse Silke geschenkt, weil sie ihr so gefallen hat." Das Beisl "Max und Moritz" habe Silke durch sie kennengelernt. "Silke war ein offener Mensch, aber rebellisch. Wenn meine Mutter gesagt hat, 'da geht's nicht hin', sind wir genau dort hingegangen", sagte die Schwester. "Die Eltern waren streng, deshalb wollte Silke ausziehen." Sie sei ein verlässlicher Typ gewesen, darum habe sie sich gewundert, dass Silke sich zwei Tage nach dem 11. Juli, als sie ihre Schwester anrief, nicht meldete. "Wir brauchten den Pass, weil wir in den Urlaub wollten. Sie hat sich ja so darauf gefreut."

Chefermittler einvernommen

Am Nachmittag trat der damalige Chefermittler in der Causa Schnabel in den Zeugenstand. Der 68-jährige, mittlerweile pensionierte Kriminalbeamte belastete den Angeklagten schwer: Er und seine Kollegen hätten sich fürchterlich aufgeregt, als Anton W. im November 1992 aus der U-Haft entlassen und das Strafverfahren ein Jahr später eingestellt wurde. "Ich habe zweimal darauf hingewiesen, dass für die Polizei der Fall geklärt ist. Als Verdächtiger ist niemand anderer infrage gekommen."

Der Ermittler hatte Anton W. während seiner vier Monate dauernden Untersuchungshaft mehrmals vernommen. "Er hat gesagt, er war es nicht. Die Kommunikation mit ihm war schwierig, weil er wenig sagte. Er war stur wie ein Esel. Doch einmal, als ich ihn aus der Reserve lockte, schrie er mich plötzlich an: Wenn ich es gewesen wäre, dann ist es nicht meine Schuld". Anton W. habe gemeint, die Sonderanstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher in Wien-Mittersteig sei dann schuld, weil die hätten ihn nach dem fünfjährigen Maßnahmenvollzug (wegen eines Sexualdeliktes, Anm.) 1985 für gesund erklärt und entlassen. Anton W. habe ihm auch erzählt, dass er in der mutmaßlichen Tatnacht insgesamt zwölf halbe Bier getrunken hatte, sagte der Zeuge.

Die Einvernahme des Polizisten drehte sich auch um jene Bluse, die Silke Schnabel laut Angaben von Zeugen in der Tatnacht getragen hatte. Bei einer freiwilligen Nachschau in der Wohnung der Eltern von Anton W. - er hatte dort ein Bett im Wohnzimmer - am 25. Juli 1992, also einen Tag nach der Inhaftierung des Verdächtigen, bemerkten die Polizisten die weiße Bluse auf einem Kleiderbügel. Sie nahmen sie jedoch nicht mit. "Es waren noch Knöpfe daran", schilderte der Chefermittler. Damals sei ja zur Sprache gekommen, dass Anton W. die Bluse mitgenommen habe. Bei der Hausdurchsuchung am 29. Juli sahen sie die Bluse nicht mehr. Erst als sie die Mutter danach fragten, "rückte sie die Bluse raus", bestätigte der Kollege des Chefermittlers. "Sie lag in einem Eimer im Vorraum."

Allerdings fehlten die Knöpfe, sie waren zum Großteil abgeschnitten und teils ausgerissen worden, sagte der pensionierte Kriminalbeamte. Bei der Hausdurchsuchung wurde auch ein Gürtel mit eingedicktem Blut sichergestellt. Die erst heuer vom Angeklagten geäußerte Erklärung, der Fleck stamme von einer Rauferei mit Jugendlichen, habe er damals "sicher nicht gehört", sagte der 68-Jährige. Die Mutter von W. habe ihnen damals einen anderen Gürtel mitgeben wollen. "Ich sagte, sie kann mich nicht anstiften, dass ich Beweismittel unterschlage", schilderte der Kollege des Chefermittlers. Der blutbefleckte Gürtel ist mittlerweile wie die Bluse spurlos verschwunden. Der Chefermittler meinte, die Bluse sei erkennungsdienstlich behandelt und dann archiviert worden. Nach der Übernahme durch die Gendarmerie seien dann Sachen verschwunden.

"Sonst geht's euch wie der Silke“

Der pensionierte Polizist bestätigte heute auch die Aussagen einer Ex-Prostituierten, wonach diese ihm erzählt hätte, Anton W. habe bald nach seiner Entlassung aus der U-Haft auf den Zuruf einer anderen Prostituierten "verschwinde, du Mörder" mit "halt's die Goschn, sonst geht's euch wie der Silke“ geantwortet. Wann genau die Prostituierte ihm das erzählt hat, wusste er nicht mehr - womöglich nach der Verfahrenseinstellung (November 1993, Anm.), oder zirka ein halbes Jahr nach W's Enthaftung. Aktenkundig wurde der Vorfall damals nicht. "Für mich war der Fall ja erledigt", sagte der Zeuge frustriert. Der Prozess wird am Donnerstag mit der Anhörung und Befragung des Täter-Profilers Thomas Müller fortgesetzt. Das Urteil soll am Freitag gesprochen werden.


Steiermark > Graz

Bewölkt
Graz
min: 8° | max: 20°
7-Tagesprognose

Aktuelle Leser-Fotos

KLEINE.tv

Brand in Graz: Polizei spricht über Brandhergang

Zu Mittag brach im Dachgeschoss einer Baustelle in der Annenstraße Feuer...Bewertet mit 5 Sternen

 




Fotoserien

Brand in Grazer Möbelhaus gelöscht 

Brand in Grazer Möbelhaus gelöscht

 

Events & Tickets

Seerock Festival 2013 Tipp

Seerock Festival 2013

21.06.13 Unterpremstätten
Tickets bestellen


Seitenübersicht

Zum Seitenanfang