Chefinspektor in Prozess erneut schwer belastet
Ein suspendierter Chefinspektor der Wiener Polizei, dem die Staatsanwaltschaft u.a. Amtsmissbrauch, Verletzung des Amtsgeheimnisses und Nötigung unter Ausnützung seiner Amtsstellung vorwirft, ist am Montag erneut schwer belastet worden. Ein ehemaliger Nachtlokal-Betreiber warf dem 53-Jährigen vor, der ehemaligen Rotlicht-Größe Dragan J. alias Repic ("Zopf") "in jeder Situation geholfen zu haben".
Der Chefinspektor führte Repic als Vertrauensperson. Dieser wurde für seine Informationen angeblich auch von der Republik bezahlt, während zeitlich parallel - so zumindest Staatsanwalt Wolfgang Wohlmuth - gegen Repic wegen Schutzgelderpressung ermittelt wurde. "Er ist später nur deshalb von einem Gericht freigesprochen worden, weil Zeugen nicht mehr zur Aussage bereit waren", so Wohlmuth am elften Verhandlungstag am Wiener Straflandesgericht. Derzeit sei wieder ein Ermittlungsverfahren gegen Repic anhängig, sagte der Staatsanwalt.
Ein 42-jähriger Gastronom, der früher ein Lokal übernehmen wollte, auf das Repic ein Auge geworfen hatte, wurde dann recht unangenehm für den angeklagten Polizisten. Der Zeuge behauptete, er sei eines Tages vom Chefinspektor auf dessen Dienststelle zitiert worden. Der Beamte habe ihn dort gleich einmal fotografiert und ihm dann beschieden, er möge das umstrittene Lokal Repic überlassen, dann sei "alles bestens".
"Ich hab' mich dadurch sehr bedroht gefühlt", erklärte der Gastronom. Folglich habe er sich damit einverstanden erklärt, als ein Pachtvertrag zugunsten Repics aufgesetzt wurde, den der Polizist bei einem weiteren Treffen "geprüft" habe, und diesen unterschrieben.
Die Verteidiger zogen die Glaubwürdigkeit dieses Zeugen massiv in Zweifel und verwiesen auf andere Versionen, die jener im Vorverfahren bzw. in anderen Strafverfahren bisher über die Rolle des Chefinspektors zu Protokoll gegeben hatte. Daraufhin wurde der 42-Jährige äußerst emotional. "Der Repic hat mich ruiniert", erregte sich der Zeuge. Er sei dazu gebracht worden, 35.000 Euro an Polizeistrafen für diesen bezahlen zu müssen: "Alles, was der Repic gemacht hat, wurde vom Chefinspektor erledigt."
Die Verhandlung wird am Dienstag mit Verlesungen aus dem umfangreichen Akt fortgesetzt.










