Habsburg-Diebe: Auch Komplize und Hehler ausgeforscht
Die während rund 20 Einbrüchen erbeuteten Wertgegenstände haben einen Wert von mehreren hunderttausend Euro - und wurden teils auf Flohmärkten in der Steiermark und in Kärnten verkauft.

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Nach der Festnahme eines wegen zahlreicher in einem Jagdhaus der Familie Habsburg in Türnitz verübter Diebstähle gesucht gewesenen Ehepaares am 18. Dezember auf dem Flughafen Frankfurt am Main hat die Polizei nunmehr auch einen als Komplizen verdächtigen Mann und zwei mutmaßliche Hehler ausgeforscht. Ebenso wurde nach Angaben der Sicherheitsdirektion NÖ vom Mittwoch ein Großteil noch nicht verkaufter Beutestücke sichergestellt.
In Marokko geschnappt
Ernst Engelbert M. (39) aus dem Bezirk Klagenfurt und seine Frau Claudia H.-M. (42) aus dem Bezirk Lilienfeld hatten sich Mitte Dezember in Marokko bei der österreichischen Botschaft gemeldet. Sie hatten kein Geld mehr und baten um finanzielle Unterstützung, berichtete die Kleine Zeitung damals. Das Botschaftspersonal alarmierte den österreichischen Polizei-Verbindungsbeamten, der feststellte, dass das Paar gesucht wurde. Die Verdächtigen ließen sich überreden, sich freiwillig zu stellen, wurden nach Frankfurt geflogen und dort nach Erlassung eines internationalen Haftbefehls in Auslieferungshaft genommen.
Rund 20 Einbrüche
Dem Paar wird angelastet, an die 20 Mal in das Jagd- bzw. Herrenhaus der Familie Habsburg in Türnitz eingebrochen und Gegenstände wie Ölgemälde, Bilder, Seidenteppiche, Schmuck, Jagdwaffen, Biedermeier-Mobiliar sowie auch auch eine mehr als 100 Jahre alte Sammlung von Modellschiffen der k. k. Kriegsmarine im Versicherungswert von rund 2,5 Mio. Euro gestohlen zu haben. Die Beute wurde teils auf Flohmärkten in der Steiermark und in Kärnten verkauft bzw. direkt Antiquitätenhändlern angeboten. In Zusammenarbeit mit dem Stadtpolizeikommando Klagenfurt wurde mittlerweile eine größere Menge Diebsgut bei Händlern bzw. Sammlern in Kärnten, Wien und St. Pölten sichergestellt. Der von den Beschuldigten dabei gemachte Verkaufserlös wurde mit etwa 40.000 Euro beziffert.
"Im Umfeld der laufenden Erhebungen", so die Sicherheitsdirektion, wurde außerdem bereits am 26. November der 33-jährige Markus B. aus dem Bezirk Klagenfurt Land festgenommen und in die Justizanstalt Klagenfurt eingeliefert. Er gab etwa 20 vollendete bzw. versuchte Einbruchs- und Einschleichdiebstähle, im Zeitraum von September 2007 bis November 2010, in Firmen, Hotels und Geschäftslokale in mehreren Bundesländern zu. Das in Frankfurt festgenommene Ehepaar sei ebenfalls geständig bzw. teilgeständig, hieß es am Mittwoch weiter.
Aus dem Türnitzer Jagdhaus wurden laut Sicherheitsdirektion NÖ auch ein extrem seltenes "St. Andreas" Ordens-Set aus der Regierungszeit von Zar Alexander II. und weitere Orden sowie Verleihungsurkunden gestohlen. Ein Großteil dieser Beute ging über Hehler, Michael Peter S. (41) aus dem oberösterreichischen Bezirk Vöcklabruck und den deutschen Staatsbürger Michael D. (41), an den Geschäftsführer eines in Deutschland etablierten Auktionshauses, den deutschen Staatsbürger Kai W. (42), und in weiterer Folge bei einer Versteigerung an verschiedene Privatpersonen.
Allein für das um 60.000 Euro angekaufte "St. Andreas"-Set wurden den Ermittlern zufolge Ende Mai 2009 bei einer Auktion 300.000 Euro erzielt. Diese Orden und weitere Antiquitäten wurden von einem russischen Geschäftsmann angekauft und vermutlich nach St. Petersburg verbracht.
Mutmaßliche Hehler geständig
Die mutmaßlichen Hehler Michael Peter S. und Michael D. waren laut Sicherheitsdirektion ebenfalls geständig. Sie erhielten im Zusammenhang mit der Vermittlung und dem Verkauf des Ordens-Sets 40.000 bzw. 100.000 Euro. Das Duo wurde der Staatsanwaltschaft St. Pölten angezeigt.
Als "zurzeit nicht bezifferbar" bezeichnete die Sicherheitsdirektion den Gesamtschaden der Straftaten. Es handle sich teilweise um Einzelstücke der Kaiserzeit deren tatsächlicher Wert nicht feststehe. Die Polizeiinspektion Türnitz führt nach wie vor Erhebungen.










