Niemand will schuld sein
US-Betreiber jener Website, auf der Joel gemobbt wurde, ist bekannt. Nur hilft dieses Wissen nichts.

Foto © KK, FotoliaUS-Betreiber der Pornoseite, auf der Joel gedemütigt wurde, bietet Usern fragwürdiges "Service" an
Die Faktenlage ist ebenso traurig wie eindeutig: Jugendliche erstellen eine Website, die den 13-jährigen Joel aus Velden arg verunglimpft. Wenige Mausklicks und Tastatureingaben reichen und der Name des Jungen findet sich neben zahllosen anderen, eindeutigen und grauslichen Fotos. Dieser fühlt sich so verletzt, dass er sich das Leben nimmt.
Die Betreiber der Website fordern ungeniert und offen dazu auf: "Verarsche deine Freunde, schicke sie zu name.xxxxx.com" (Domainname der Redaktion bekannt). Jeder, der die Webadresse kennt, kann diese dann per E-Mail, Facebook & Co. verbreiten.
Löschung
Der Betreiber der Website lässt sich von der Kleinen Zeitung binnen weniger Minuten ausfindig machen. Eine sogenannte "Who-Is"-Abfrage fördert Adresse und sogar Telefonnummer einer Firma in Bellevue an der Westküste des US-Bundesstaates Washington zutage. Die Firma (oder vielmehr ihr Briefkasten) residiert in einem Chinarestaurant.
Nur: Was soll man mit dieser Information anfangen? Der Mutter, die verzweifelt versucht, eine Löschung der Website zu erreichen, wird das wenig helfen. Der anerkannte Internet-Jurist Franz Schmidbauer hat auch keine guten Nachrichten für sie: "Anders als in der EU gibt es keine Vollstreckungsmöglichkeit in den USA." Mit anderen Worten: Der Webdienst oder zumindest die eine Seite bleibt noch länger online.
Auch auf gerichtlichem Wege wird man wenig erreichen können. "In Österreich gibt es noch keine Gesetze gegen Mobbing, und eine Sperre der Website müsste über ein US-Gericht laufen", so Schmidbauer. Die Chancen dafür sind ebenfalls äußerst gering, zumal in den Vereinigten Staaten das Recht auf freie Meinungsäußerung über allem steht.
Wie verkehrt so manches Rechtsverständnis in den USA ist, zeigt Schmidbauer mit einem anderen Beispiel auf: "Eine illegale MP3-Datei wäre binnen Minuten vom Netz genommen. Tatbestände wie dieser oder Wiederbetätigung bleiben in den USA ohne Folgen." Netzsperren, wie sie nach solchen Fällen oft verlangt werden, hält der Jurist jedoch für den gänzlich falschen Weg. "Aus vielen Gründen. Einerseits sind diese leicht zu umgehen, andererseits gibt es viele solcher Websites, die nie alle erfasst sein können. Das wäre wirkungslos", so Schmidbauer.
Schule gibt keine Auskunft
Vonseiten der Schule Joels, einem Klagenfurter Gymnasium, gibt es keine Stellungnahme. Der Direktor war gestern nicht erreichbar. Und vom Lehrerkollegium will niemand zum Drama Stellung nehmen.












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