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Zuletzt aktualisiert: 27.01.2011 um 06:56 UhrKommentare

Nach Tod von 13-Jährigem: Die Scham der Opfer

Die Psychotherapeutin Jutta Menschik analysiert Ursachen, Hintergründe und Folgen von Cybermobbing. Jugendliche treffen Attacken im Internet besonders hart.

Foto © Fotolia/Symbolbild

Am 14. Mai 2010 nahm sich der 13-jährige Joel das Leben, nachdem er auf einer Facebook-Seite als homosexuell dargestellt worden war. Jetzt wendet sich seine Mutter an die Öffentlichkeit, um vor Cybermobbing zu warnen. Was empfindet ein Jugendlicher, der über Facebook attackiert wird?

JUTTA MENSCHIK: In diesem Alter ist die Identität - Aussehen, Image, Persönlichkeit - brüchig und leicht zu erschüttern. Der Affekt, der auf Cybermobbing folgt, ist Scham, die neben der Angst das größte Unlustempfinden ist.

Ist diese Scham auch mit einem Gefühl großer Hilflosigkeit verbunden?

MENSCHIK: Man wird vor anderen bloßgestellt, aber auch vor sich selbst. Dadurch wird das Selbstwertgefühl zerstört. Aus der Hilflosigkeit kann man nur durch andere erlöst werden.

Welche Rolle spielt es, dass man mit anonymen Verleumdungen oder Anschuldigungen konfrontiert ist und keinen Kontrahenten kennt, mit dem man in eine Auseinandersetzung treten kann?

MENSCHIK: Man hat ja nicht nur fiktive Gegner, sondern auch fiktive Zuschauer. Besonders gravierend ist natürlich, dass man sich nicht zur Wehr setzen kann. Es ist, als wäre man von einer Unzahl von Flammen umzingelt.

Welche Bedeutung hat ein Angriff auf die Sexualität?

MENSCHIK: Die Sexualität ist das empfindlichste Thema. Hier erlebt man eine Attacke auf die gesamte Person, weil einem die Intimität abgesprochen wird. Und es ist besonders schwierig, darüber zu sprechen.

Welche Anzeichen lassen die Verzweiflung eines Cybermobbing-Opfers erkennen?

MENSCHIK: Der Jugendliche spricht nicht, grübelt, vergräbt sich. Der emotionale Rückzug ist ein großes Warnzeichen. Gleichzeitig kann das Opfer Rachefantasien entwickeln und einen großen Abgang planen nach dem Motto: Wenn ich nicht mehr bin, wird es allen leidtun.

Ist jenen, die Cybermobbing betreiben, bewusst, was sie anrichten können?

MENSCHIK: Auf jeden Fall wollen sie bewusst eine Gemeinheit begehen.

Was kann sie bremsen?

MENSCHIK: Man muss die Empathie thematisieren. In einer Rollenumkehr kann man sich in den Gemobbten einfühlen und erkennen, was man anrichtet.

INTERVIEW: ULRIKE GREINER

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