Ist der Schutz der Jugend in Gefahr?
Bericht der Volksanwaltschaft über die Jugendwohlfahrt sorgt für Diskussion. In den letzten 15 Jahren hat sich Zahl der Kontakte verdreifacht. Personalstand seit 30 Jahren gleich.

Foto © Weichselbraun
Den jüngsten Seitenhieb in Sachen Jugendwohlfahrt erhielt Soziallandesrat Christian Ragger (FPK) von Ines Obex-Mischitz. "Die Stundenkontingente wurden still und heimlich um satte 20 Prozent gekürzt", teilte die SPÖ-Sozial- und Gesundheitssprecherin öffentlich mit. Und weiter: "Verständlich, dass die engagierten Mitarbeiterinnen der Jugendwohlfahrt besorgt sind, wie sie ihre Arbeit professionell erledigen sollen und fragen, was sie machen sollen, wenn sie ihr Stundenkontingent möglicherweise schon im Sommer oder Herbst erfüllt haben", so Obex-Mischitz.
130 Euro
130 Euro im Monat betragen die durchschnittlichen Kosten für ein Kind bis zum 18. Lebensjahr in einer stationären Einrichtung pro Tag. Es werden vereinzelt aber auch Jugendliche nach dem 18. Lebensjahr betreut.
Ragger dementiert heftig: "Es gab keine Kürzungen der Stunden. Außerdem wurde die Zahl der Sozialarbeiterinnen um zwei erhöht." In Kärnten sind jetzt außerhalb der Städte Klagenfurt und Villach 83 Sozialarbeiterinnen tätig. Ob das allerdings ausreicht, ist weiterer Stoff für Diskussionen. Denn ein Bericht der Volksanwaltschaft aus dem Jahr 2010 wartet mit alarmierenden Fakten auf.
Fehlende Stellen
46.000.000
Im vergangenen Jahr wurden für die Jugendwohlfahrt in Kärnten vom Land insgesamt 40 Millionen Euro budgetiert. Diese Summe wurde für das Jahr 2011 auf 46 Millionen Euro erhöht.
In diesem Bericht werden definitiv mehr qualifizierte Planstellen in der Jugendwohlfahrt in Kärnten gefordert. Die Begründungen: "Betrachtet man die letzten 15 Jahre, so sieht man, dass sich die Erhebungen und Kontakte der Jugendwohlfahrt zur Feststellung, ob eine Unterstützung der Erziehung erforderlich ist, verdreifacht haben", ist in diesem Bericht zu lesen. Weiter heißt es: "Die letztlich getroffenen Maßnahmen haben sich verdoppelt." Ebenfalls verdoppelt haben sich laut Volksanwaltschaft die Kontakte im Zusammenhang mit Kindern, bei denen der Erziehungsauftrag und die Obsorge bereits auf den Jugendwohlfahrtsträger übergegangen sind. Darüber hinaus verzeichnet der Bericht noch eine "massive Steigerung bei den Stellungnahmen an die Pflegschaftsgerichte".
700 Kinder und Jugendliche
700 Kinder und Jugendliche leben in Kärnten in einer stationären Einrichtung. Insgesamt werden tausend Kinder und Jugendliche von der Jugendwohlfahrt betreut.
Ob die derzeit tätigen Sozialarbeiterinnen diese Mehrarbeit wirklich bewältigen können, darf - will man zumindest der Volksanwaltschaft glauben - bezweifelt werden. "Der Personalstand in der Jugendwohlfahrt ist in den letzten drei Jahrzehnten nahezu gleich geblieben." Aus internen Kreisen wird zusätzlich bemängelt, dass Nachbesetzungen nach Pensionierungen nur schleppend vor sich gingen.
46 Millionen
Ragger will von solchen Problemen nichts wissen und argumentiert mit dem Budget. "Von 2010 auf 2011 sind die Kosten, die das Land für die Jugendwohlfahrt übernimmt, von 40 auf 46 Millionen Euro gestiegen. Für die Familienintensivbetreuung werden heuer 4,7 Millionen Euro aufgewendet", erklärt er.
Ein Dorn im Auge sind Ragger allerdings die hohen Kosten für die stationäre Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Hier strebt er Reduktionen an, will Klienten lieber in der Familienpflege sehen und nennt als Ziel einen Ausbau der Prävention.
Features
20 Prozent
20 Prozent der Stundenkontingente in der Jugendwohlfahrt wurden gekürzt, behauptet Ines Obex-Mischitz (SPÖ). Soziallandesrat Christian Ragger (FPK) dementiert entschieden.
Zum Thema
83 Sozialarbeiter
Sozialarbeiter sind derzeit in Kärnten beschäftigt, Im Vorjahr waren es 81. Nicht enthalten in dieser Zahl sind Mitarbeiter in den Städten Klagenfurt und Villach.











