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Zuletzt aktualisiert: 22.01.2011 um 05:10 UhrKommentare

Männchen zieht Affenbaby auf

Zoologische Sensation am Affenberg: Erstmals adoptiert ein Männchen ein verwaistes Affenbaby. Experten sprechen von "einzigartigem Fall".

In der Umarmung von "Mutter" Stefan hat es Fanny den Winter über angenehm warm

Foto © AffenbergIn der Umarmung von "Mutter" Stefan hat es Fanny den Winter über angenehm warm

Halbe-halbe war gestern, jetzt machen die Männer die ganze Arbeit - zumindest ist das am Affenberg in Landskron der Fall. Dort haben sich ein Makakenbaby und ein Makakenmännchen zu einer ungewöhnlichen Patchworkfamilie zusammengefunden: Das Männchen Stefan hat für das elternlose Findelkind Fanny überraschend die Mutterrolle übernommen.

"So etwas habe ich in meiner 15-jährigen Karriere noch nie erlebt", sagt der Tierpfleger Max Dorner. Er arbeitet auf dem Affenberg seit der Eröffnung 1996 und beobachtet ständig das Verhalten der rund 130 Japanmakaken. Im Frühjahr letzten Jahres wurde er von einer Besucherin auf ein neugeborenes Affenmädchen aufmerksam gemacht, das verlassen am Wegrand hockte.

Von Eltern verstoßen

Weder der genaue Geburtstermin noch die Mutter der kleinen Fanny waren bekannt. "Mit Sicherheit wussten wir nur, dass sie vom Affenberg stammt. Ihre Eltern haben sich aber nicht um sie gekümmert." Deswegen machte man sich auch große Sorgen um das Wohlergehen von Fanny. Experten bezweifelten, ob die Kleine den Winter ohne Eltern überleben würde.

Mutterrolle

Dementsprechend groß war Dorners Erstaunen, als er vor einigen Tagen Fanny wohlbehalten in den Armen des Makakenmännchens Stefan fand. "So eine intensive Begegnung hatte Fanny mit niemandem zuvor. Wir sind alle heilfroh, weil Stefan so ihr Leben gerettet hat." Das Männchen füllt die Mutterrolle für Fanny perfekt aus. Es trägt sie durch die Gegend, wärmt sie beim Zusammenkuscheln und beschützt sie vor Gefahren. "Unsere Stammbesucher und Mitarbeiter sind hellauf begeistert. Dass sich ein Männchen so eingehend um ein Baby kümmert, ist absolut einzigartig."

Das sieht auch Cornelia Franz von der Universität Graz so. Die Biologin forscht schon seit 2003 mit Studenten am Affenberg. "So ein Fall wurde in der Literatur noch nie beschrieben. Besonders für Japanmakaken ist das ein ungewöhnliches Verhalten." So sei diese Tierart für ihre "despotische Sozialstruktur" bekannt - die Tiere sind nicht besonders nett zueinander, es sei denn, sie leben in derselben Familie. "Das könnte eine Erklärung für das ungewohnte Verhalten sein. Vielleicht sind Fanny und Stefan über Ecken verwandt." Die genetische Verwandtschaftsanalyse wird jedenfalls noch länger dauern. Bis dahin halten die Forscher die Daumen, dass das tierische Gespann bestehen bleibt. Auch wenn nicht: "Allein, dass ein Männchen ein Kind trägt, ist eine absolute Sensation, die wir auf jeden Fall weiter untersuchen werden", sagt Franz.

JOSEF PUSCHITZ

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