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Zuletzt aktualisiert: 16.01.2011 um 07:54 UhrKommentare

"Man hat das Gefühl, dass es ganz bald arg sein wird"

Teilweise dramatische Szenen haben Tunesien-Urlauber in der Nacht auf Sonntag am Flughafen Wien-Schwechat geschildert, nachdem sie eine Boeing 737 der Lauda Air verspätet, aber sicher von Monastir in die Heimat gebracht hatte.

49 Passagiere kamen knapp nach 23.00 Uhr in die Ankunfthalle, wo sie von einigen Journalisten erwartet wurden. Die Maschine war kurz nach 19.00 Uhr in Monastir mit 92 Passagieren gestartet. Bei einer Zwischenlandung in Salzburg um 21.43 Uhr verließen 43 Urlauber die Sondermaschine, darunter auch einige Deutsche.

"Die Fahrt zum Flughafen in Monastir war ein wirkliches Abenteuer. Überall waren bewaffnete Leute. Es waren überall Feuer, Raffinerien brennen dort, hunderte über hunderte Menschen sind auf der Straße", schilderte Birgit H., eine 39-jährige Wienerin, die gemeinsam mit ihrem Freund Adel D. (42) dessen Heimatland besucht hatte. Diesem wiederum stand die Aufregung ins Gesicht geschrieben. "Ich habe das alles mitgekriegt, wie die Leute demonstrieren. Ab 5 Uhr fängt die Gefahr an. Es gibt Ausgangssperren, überall ist Militär und Polizei", berichtete er aufgeregt über die Vorgänge in seinem Heimatland.

Am Flughafen in Monastir herrsche "Chaos", erzählte der Tunesier. In dem auch bei Österreichern beliebten Urlaubsort, wo am Samstag bei einem Gefängnisbrand Medienberichten zufolge Dutzende Personen ums Leben gekommen sind und einige Insassen von Wärtern erschossen worden sein sollen, sei es nicht mehr sicher. "Ich habe auch zwei Leute aus dem Gefängnis flüchten gesehen", sagte Adel D.

Die 68-jährige Dorli M. aus Kagran "überwintert" seit 15 Jahren in Sousse, einer 130 Kilometer südlich von Tunis gelegenen Stadt im Golf von Hammamet. Vom 9. Jänner an wollte sie sechs Wochen lang dem Winter entgehen, nun musste sie vorzeitig die Heimreise antreten. "Kein Mensch ist geblieben, außer a verrückte, aber sehr schön gekleidete Engländerin", stellte die Wiener Pensionistin fest.

In der Nacht habe man Schüsse gehört, "Frauen haben geschrien, Kinder haben geweint, Hunde gebellt". Sie sei an sich keine furchtsame Person, aber "a bissl Angst" habe sie schon gehabt: "Um 17 Uhr hat man das Hotel zugesperrt, die Türen verriegelt". Vorsorglich habe sie ihr Geld aus dem Hotelsafe an sich genommen, um für den Fall von Plünderungen nicht mit leeren Händen da zu stehen. Zu ihrer Einschätzung befragt, wie die unmittelbare Zukunft in Tunesien aussehen wird, meinte die 68-Jährige: "Man hat das Gefühl, dass es ganz bald arg sein wird."

Konrad F., ein 66-jähriger Niederösterreicher aus Maria Taferl, hatte mit seiner Ehefrau und einem befreundeten Ehepaar einen dreiwöchigen Golfurlaub in Port el Kantaoui gebucht. Das Quartett musste ebenfalls vorzeitig den Urlaub abbrechen: "Wir haben kurzfristig davon erfahren, mussten das Hotel ganz schnell räumen." Von den Unruhen habe er "fast überhaupt nix mitgekriegt". Er habe zwar "mehr Militär und Polizei" wahrgenommen, sich aber "eigentlich nicht" gefährdet gefühlt.


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