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Zuletzt aktualisiert: 14.01.2011 um 07:44 UhrKommentare

"Ganze Viertel sind einfach weg"

Mit bereits mehr als 500 Toten bei den Überschwemmungen in Brasilien erlebt das Land die größte Naturkatastrophe seiner Geschichte. Es dürfte noch schlimmer kommen.

Foto © AP

Mindestens 506 Menschen seien durch die Regenfälle und Erdrutsche nördlich von Rio de Janeiro ums Leben gekommen, sagten Behördenvertreter örtlichen Medien am Donnerstag (Ortszeit). Präsidentin Dilma Rousseff versprach nach einem Besuch im Katastrophengebiet weitere Hilfen.

Laut der Nachrichten-Website G1 kamen in der Stadt Nova Friburgo 225 Menschen ums Leben, in Teresopolis waren es demnach 223 Tote, in Petropolis 39 und in Sumidouro mindestens 19 Opfer. Zuvor hatten Medien von mindestens 480 Toten berichtet. Damit handle es sich um die "schlimmste Naturkatastrophe" in der Geschichte des Landes, hieß es. Als größte Katastrophe Brasiliens galt bisher ein Erdrutsch in der Küstenstadt Caraguatatuba 1967, als unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen 300 und 436 Menschen getötet wurden.

Tausende in Notaufnahmelagern

Besonders schwer betroffen ist das bergige Gebiet nördlich von Rio de Janeiro, ein insbesondere in der jetzigen heißen Jahreszeit begehrtes Ausflugsziel. Ganze Viertel in Nova Friburgo, Teresópolis und Petrópolis wurden durch Flüsse aus Schlamm und Gesteinsbrocken weggeschwemmt. Die Behörden rechneten mit weiteren Toten, da viele abgeschiedene Gebiete erst allmählich von den Rettungskräften erreicht werden konnten.

Fotoserie: Brasilien: Zerstörungen nach Schlammlawine

Tausende Überlebende fanden in Notaufnahmelagern Unterschlupf. Kirchen und Polizeiwachen wurden zu Leichenhäusern umfunktioniert, in der warmen Luft stand der Geruch von verwesenden Leichen. Davor spielten sich dramatische Szenen ab, während Angehörige nach Vermissten suchten. Der 44-jährige Edmar Da Rosa berichtete in einem Lager in Teresópolis, eine Wand seines Hauses sei in dem Unwetter eingestürzt. "Meine Frau starb. Mein Enkel starb. Und die anderen sind verletzt." Der 59 Jahre alte Joao de Lima umklammerte eine Puppe und sagte: "Ich habe meine vier Töchter und alles, was ich habe, verloren."

Vereinzelt Hoffnung

Rousseff flog per Hubschrauber über das Gebiet und ging anschließend zu Fuß durch einige Regionen. Die Präsidentin, die erst seit Anfang des Jahres im Amt ist, zeigte sich schockiert und versprach "starke Maßnahmen" der Regierung. Diese stellte bislang umgerechnet knapp 350 Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung. Das Gesundheitsministerium kündigte zudem an, für die Region würden sieben Tonnen medizinisches Material zur Verfügung gestellt.

Die teils spektakuläre Rettung einzelner Menschen gab aber auch immer wieder Anlass zur Hoffnung. Die Nachrichtensender zeigten am Donnerstag die Bilder einer Frau, die mit ihrem Hund im Arm auf dem Dach ihres Hauses sitzt, das von den Wassermassen mitgerissen wird. Nachbarn aus einem höher gelegenen Haus werfen ihr ein Seil zu, an dem sie sich hochziehen kann. Sie verschwindet kurz in den reißenden Fluten, taucht dann aber wieder auf und wird von den Nachbarn gerettet. Ihr Hund überlebte allerdings nicht.


Prognose

Heftiger tropischer Regen in der Region Serrana hatte dazu geführt, dass Schlammlawinen in die Orte rutschten und Flüsse über die Ufer traten.

Für die kommenden Tage sagten die Meteorologen weitere Regenfälle vorher.

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Foto © AP

Die Hilfe läuft nur schleppend anFoto © AP

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Foto © AP

Bild vergrößernDie Chance, unter dem Schutt Überlebende zu finden, ist äußerst geringFoto © AP

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