Eltern fordern Reformen, sehen aber eigene Verantwortung
Österreichs Eltern fordern zwar den Ausbau von Ganztagsschulen und verstärkte Förderung ihrer Kinder, sehen aber durchaus auch sich selbst in der Pflicht.

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Nach den katastrophalen Leseleistungen der österreichischen Schüler bei PISA 2009 fordern Elternvertreter im Gespräch mit der APA eine rasche Umsetzung bildungspolitischer Reformen wie den Ausbau von Ganztagsschulen und verstärkte Förderung. Gleichzeitig betonte der Vorsitzende des Dachverbandes der Elternvereine an öffentlichen Pflichtschulen, Gerald Netzl, dass auch Eltern Verantwortung übernehmen müssen.
In Richtung Politik sagte Netzl, diese müsse endlich dafür sorgen, dass Bildungskarrieren in Österreich nicht mehr vererbt werden; es gebe "ein ganzes Bündel an Maßnahmen", das laut einhelliger Expertenmeinung dazu beitragen könne. Gleichzeitig richtete er einen Appell an die Eltern: "Leute, nehmt ein Buch zur Hand, lest den Kindern vor, geht mit ihnen in Leihbüchereien und Buchhandlungen." Ihm sei jedoch bewusst, dass es eine "wahnsinnig große Herausforderung" sei, Kinder zum Lesen zu bewegen, obwohl es für diese sehr leicht sei sich per TV, Handy und Internet "oberflächlich zu unterhalten". Die Eltern sollten dennoch ihren Kindern Bücher anbieten - "aber ohne Zwang".
Auch laut Theodor Saverschel, Präsident des Bundesverbandes der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen, "kann man die Eltern nicht aus der Pflicht nehmen". Allerdings seien viele Alleinerzieher oder beide Elternteile berufstätig und hätten demnach keine Zeit zusätzlich zur Hilfe bei Aufgaben oder Vorbereitung für Schularbeiten das Lesen zu fördern. "Das ist eine gesellschaftliche Entwicklung. Ich sage nicht, dass das gut oder schlecht ist - es ist so. Und dem muss die Politik Rechnung tragen." Es sei bereits genug wertvolle Zeit vergeudet worden, so Saverschel. "Wie viele Hiobsbotschaften sind denn noch notwendig, damit die Regierung ihr verantwortungsloses Stillhalten beendet und die Arbeit macht, wofür sie gewählt wurde?"
Die Umsetzung von Reformen "entwickelt sich zu einer für Österreich existentiellen Notwendigkeit", so Saverschel, Netzl und Stefan Mandahus, Präsident des Hauptverbands Katholischer Elternvereine Österreichs, in einer gemeinsamen Aussendung. Sie fordern u.a. Investition in die Lehrerbildung und -fortbildung, mehr Schulautonomie, Einsatz der Bildungsstandards mit begleitender Feed-back-Kultur, ein bundesweites und unabhängiges Qualitätsmanagement und eine Verschlankung des Verwaltungsapparates. Kritik übten sie erneut an der von VP-Ländern forcierten Diskussion über eine Verländerung der Schulverwaltung, diese habe nur zu einer weiterem Verzögerung der Bildungsreform geführt.










