Pisa-Alarm: Totaler Absturz beim Lesen
Die aktuelle Pisa-Studie weist Österreich als Hochburg der Analphabeten aus. Bei der Lesekompetenz stürzt die Kulturnation auf Platz 39 ab.

Foto © APASchlechte Nachrichten für das heimische Bildungssystem
Dass Österreichs Schüler bei der brandaktuellen Pisa-Studie schlecht abgeschnitten haben, war schon seit Tagen bekannt. Wie katastrophal der Absturz tatsächlich ist, sickerte bereits gestern durch: Lesen: Platz 39. Naturwissenschaften: Platz 30. Mathematik: Platz 24. In allen drei getesteten Fächern hat sich Österreich damit seit 2006 im internationalen Vergleich verschlechtert, vor allem aber im Lesen. Das erfuhr die Kleine Zeitung bereits am Montag in Kreisen der OECD in Paris, die die Pisa-Studie (die getesteten Schüler sind 15 und 16 Jahre alt) durchführt. Die Details werden heute in Wien der Öffentlichkeit vorgestellt.
Besonders dramatisch fällt der Absturz beim Lesen aus. Hier liegt Österreich, das sich so gern als Kulturnation sieht, im europäischen Analphabeten-Ranking im absoluten Schlussfeld. Schon bei der letzten Studie 2006 lag Österreich im Ländervergleich mit 490 Punkten nur auf Platz 22, nun ist es mit bescheidenen 470 Punkten auf Platz 39 zurückgefallen. Nur zwei europäische Länder - Bulgarien und Rumänien - liegen noch hinter Österreich, außerdem die Türkei, Chile und Mexiko. Am besten schnitt hier wie auch bei den anderen beiden Kategorien Shanghai/China ab, beim Lesen folgen auf Platz zwei und drei Korea und Finnland.
In den Naturwissenschaften sind Österreichs Schüler um zwölf Plätze abgestürzt, in Mathematik um sechs Plätze. In den Naturwissenschaften liegt Österreich mit 494 Punkten im Mittelfeld der getesteten Länder, in Mathematik mit 496 Punkten leicht über dem Durchschnitt.
Migration als Hintergrund
Zwei Einschränkungen gibt es bei den Rankings allerdings. Zum Ersten: Laut OECD werde man für Österreich keine offizielle Trendanalyse von der Studie 2006 zur Studie 2009 veröffentlichen, da einige Schüler den Test boykottiert hatten. Dazu kommt, dass in diesem Jahr um acht Länder mehr, also 65, bei der Pisa-Studie teilgenommen haben als 2006.
Über die Hintergründe des Absturzes kann derzeit nur gemutmaßt werden. Schon vergangene Studien haben gezeigt, dass die Leseschwäche unter Migranten besonders ausgeprägt ist. In wenigen anderen europäischen Ländern ist die Kluft so groß wie in Österreich. Auch die soziale Herkunft spielt bei der Lesefähigkeit - gerade in Österreich - eine herausragende Rolle.
In einer ersten Reaktion meinte der grüne Bildungssprecher Harald Walser, die Pisa-Ergebnisse bedeuten ein "glattes Nicht Genügend für die Bildungspolitik von Rot, Schwarz und Blau in den letzten 20 Jahren. Das unverantwortliche Treiben der Herren Erwin Pröll, Josef Pröll, Faymann und Co muss ein Ende haben, die Zeit der politischen Sonntagsreden ist vorbei." Die FPÖ erklärt hingegen, die Gesamtschule sei "mit Sicherheit die falsche Antwort" auf das Pisa-Debakel, das miserable Abschneiden sei "zum Großteil auf grobe Fehler in der Integrationspolitik zurück zu führen."
Deutschland im Aufwind
Österreich, das sich so gern mit Deutschland vergleicht, muss noch einen Tiefschlag hinnehmen: Unser Nachbarland hat sich übrigens im Gegensatz zu Österreich in allen Kategorien seit dem letzten Test verbessert.
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Kommentar
Ranking 2006
Am besten schnitten beim letzten PISA-Test die finnischen Schüler ab: Sie belegten in der Naturwissenschaften und der Mathematik jeweils Platz eins und im Lesen Platz zwei (hinter Südkorea). Österreich landete in den Naturwissenschaften auf Platz 12 unter den 30 OECD Staaten, beim Lesen auf Platz 16 und in der Mathematik auf Platz 13.











