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Zuletzt aktualisiert: 28.11.2010 um 17:00 UhrKommentare

"Wir haben gesiegt": Polizei-Großeinsatz im Elendsviertel

Unterstützt von Panzerfahrzeugen und Hubschraubern hat die Polizei in Rio de Janeiro eine Hochburg von Drogenbanden gestürmt. Nach Angaben der Militärpolizei beschlagnahmten die Sicherheitskräfte Waffen, Munition und Drogen.

Polizeieinsatz in den Favelas

Foto © APPolizeieinsatz in den Favelas

Die brasilianische Polizei hat am Sonntag das von Drogenbanden besetzte Elendsviertel Alemao in Rio de Janeiro mit Hubschraubern und Panzerwagen gestürmt. Der Chef der Militärpolizei des Staates Rio, Mario Sergio Duarte, erklärte, die Sicherheitskräfte seien auf unerwartet wenig Widerstand gestoßen. "Wir haben gesiegt. Wir haben den Bewohnern von Alemao die Freiheit gebracht", sagte Duarte.

Waffen, Munition und Drogen beschlagnahmt

Einsatzkräfte am Boden erklärten jedoch, das Viertel sei noch nicht vollständig unter Kontrolle gebracht. Die Bandenmitglieder lieferten sich immer noch Feuergefechte mit Polizisten und Soldaten. "Wir müssen jetzt Geduld haben", sagte Duarte. "Wir haben das Gebiet eingenommen, aber das heißt nicht, dass es keine weiteren Auseinandersetzungen mit den Gangmitgliedern geben wird." Nach Angaben der Militärpolizei beschlagnahmten die Sicherheitskräfte Waffen, Munition und Drogen. Polizisten sollen auf der Suche nach den Bandenmitgliedern nun jedes Haus durchsuchen. "Wir werden keinen Ort auslassen", sagte Duarte. "Wir vermuten, dass noch immer viele dort sind und versuchen wollen, zu fliehen."

Hunderte Polizisten und Soldaten hatten die 44 Zufahrtswege zu Alemao blockiert, einem Komplex von Dutzenden Slums mit mindestens 85.000 Bewohnern. Sie lieferten sich bereits am Samstag immer wieder heftige Feuergefechte mit den schätzungsweise 600 verschanzten Bandenmitgliedern, darunter 200, die nach der Erstürmung eines benachbarten Elendsviertels am Donnerstag nach Alemao geflüchtet waren. Viele Bewohner von Alemao verließen am Samstag das Viertel, um sich vor der erwarteten Stürmung in Sicherheit zu bringen. Sie nahmen nicht nur Kleidung, sondern ihre gesamte Habe mit, auch Sessel und Waschmaschinen.

Strategie der Banden fehlgeschlagen

Bevor die Sicherheitskräfte zum Sturm auf Alemao ansetzten, gab die Polizei den Mitgliedern der Drogengangs Gelegenheit, sich zu ergeben. Bis Samstagnachmittag hatten 16 Bandenmitglieder das Angebot der Polizei angenommen, darunter laut Behördenangaben auch ein Mann, der mutmaßlich die rechte Hand des Drogenbosses von Alemao ist. Zwei Männer wurden angeschossen, als sie zu flüchten versuchten. Sechs Frauen oder Freundinnen von Drogenhändlern wurden festgenommen. Zehn Häftlinge, die verdächtigt werden, hinter den Raubüberfällen Anfang der Woche zu stecken und Autos in Brand gesetzt zu haben, wurden in Hochsicherheitsgefängnisse außerhalb Rios gebracht. Mit den Gewaltakten sollten Bewohner in Angst und Schrecken versetzt und die Polizei abgehalten werden, sich einzumischen.

Rio muss sicherer werden

Der Einsatz der Sicherheitskräfte ist Teil der Regierungsbemühungen, Rio de Janeiro auch mit Blick auf die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 sicherer zu machen. Seit (vergangenem) Sonntag errichteten die Banden Straßenbarrikaden, raubten Autofahrer aus und zündeten über 100 Autos und Busse an. Am Donnerstag hatte die Polizei in einer von rund 800 Soldaten unterstützten Offensive das Elendsviertel Vila Cruzeiro unter ihre Kontrolle gebracht.

Seit Ausbruch der Gewalt sind nach Behördenangaben mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen, die meisten davon sollen Bandenmitglieder gewesen sein. Das öffentliche Leben ist unterdessen fast vollständig zum Erliegen gekommen.


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