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Zuletzt aktualisiert: 20.11.2010 um 21:44 UhrKommentare

Berlusconi ließ Antikes "reparieren"

Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi bestellte für eine Mars-Statue in seinem Amtssitz einen Penis, für eine Venus einen Arm. 73.000 Euro kostet, was Kritiker Fälschung nennen. Restauratoren sind entsetzt.

Silvio Berlusconi

Foto © ReutersSilvio Berlusconi

Ich liebe die schönen Frauen, und das ist besser, als ein Schwuler zu sein" - mit diesen Worten geriet Italiens Premier Silvio Berlusconi in die Schlagzeilen und zog den Protest der italienischen Schwulenverbände auf sich. Ausgerechnet der homophobe "Cavaliere" bestellte jüngst einen Penis - für den Mars im Palazzo Chigi, dem Amtssitz des Regierungschefs in Rom. Der dazugehörigen Venus orderte Berlusconi eine fehlende Hand.

Die Restauratoren sind entsetzt: Der vor rund 100 Jahren nahe Rom ausgegrabenen Statuengruppe fehlten bereits die Körperteile, nicht ungewöhnlich für altertümliche Marmorskulpturen. Üblicherweise werden nur geringfügige Eingriffe in die Statuen vorgenommen, um die Stabilität der Körper zu erhalten. Eine solche massive Veränderung, wie sie Berlusconi nun angeordnet hatte, widerspricht der Ästhetik und den Regeln der Restaurationskunst, so die Kritiker.

Opposition und Gewerkschaften richteten daher auch massive Vorwürfe an den zuständigen Kulturminister Sandro Bondi. Es sei absolut unverständlich, dass für die Ergänzung von Penis und Hand an Mars und Venus eine Summe von 73.000 Euro bereitgestellt werde.

Der Minister ließ sich verteidigen: Die ergänzten Teile seien leicht wieder abzunehmen, ohnehin seien sie nur Nachbildungen aus wachsähnlichem Material, die mit einem speziellen Magnetverfahren bei den Statuen ergänzt wurden.

Nicht nur von Geldverschwendung ist die Rede, sondern auch von Fälschung: Die Direktorin des Istituto Superiore für Konservation und Rekonstruktion, Gisella Capponi, erklärte, dass die Rekonstruktion der Teile nicht nach den heute üblichen Regeln ausgeführt worden sei.

"Überall fehlt das Geld"

Der Verband der Rekonstrukteure Italien (ARI) und die zuständige Gewerkschaft UIL Kultur beklagten, dass für diese unnötige Einzelarbeit so viel Geld ausgegeben wurde. "Wir haben eine Liste von etwa 900 dringend zu rekonstruierenden Kulturgütern im Land", erklärte Carla Bertorello von der Kooperative Kulturgüter, "überall fehlt das Geld."

WOLF H. WAGNER, FLORENZ

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