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Zuletzt aktualisiert: 17.11.2010 um 19:17 UhrKommentare

Kinder geschmuggelt: 14 Tschetschenen angezeigt

Zwei Familien wurden mit ihren Kleinkindern von tschetschenischen Landsleuten aus Kriegsgebiet nach Kärnten geschmuggelt. Sie zahlten 3000 Euro. Aktion flog auf, Schlepper verhaftet.

Bei Polizeikontrollen werden immer wieder geschmuggelte Menschen entdeckt

Foto © APA/SujetBei Polizeikontrollen werden immer wieder geschmuggelte Menschen entdeckt

Es sollte eine Reise in ein bessere Zukunft werden. Doch diese endete unfreiwillig in Kärnten: Zwei tschetschenische Familien, darunter Kinder im Alter zwischen ein und vier Jahren, wurden im Sommer auf einem Parkplatz in Feldkirchen von der Polizei aufgegriffen. Sie waren von Landsleuten in zwei Autos illegal von Tschetschenien über Weißrussland, Polen und Wien nach Kärnten gebracht worden. Für die Fahrt bezahlten die Familien rund 3000 Euro. Doch die Aktion flog auf: Die Schlepper wurden verhaftet, die Männer in Schubhaft genommen, Frauen und Kinder beim Roten Kreuz untergebracht. Am nächsten Tag waren diese verschwunden. Sie dürften laut Polizei von neuen Schleppern nach Frankreich gebracht worden sein.

Seit dem Aufgriff in Feldkirchen ist die österreichische Polizei der europaweit agierenden tschetschenischen Schlepperbande auf der Spur gewesen. Mit Erfolg. In den vergangenen Wochen fanden fünf Hausdurchsuchungen statt, darunter zwei in Kärnten (Klagenfurt und Villach) sowie drei in Wien. Bei Durchsuchungen von tschetschenischen Wohnungen müssen die Ermittler aus religiösen Gründen übrigens ihre Schuhe ausziehen.

14 Tschetschenen wurden jetzt österreichweit wegen Schlepperei angezeigt. Es handelt sich fast nur um Asylwerber. Einige wurden in Haft genommen. Darunter der 34-jährige Haupttäter, der von Kärnten aus die Fäden gezogen hat. Er sitzt derzeit in der Justizanstalt Klagenfurt. "Der Mann ist geständig. Ihm fehlt aber jegliches Unrechtsbewusstsein. Für ihn ist das alles normal", sagt Kriminalist Herbert Poimer vom Landeskriminalamt, der mit seinem Kollegen Wolfgang Patscheider die schwierigen Ermittlungen in Kärnten führt. Die Polizei schließt nicht aus, dass es in Kürze zu weiteren Verhaftungen kommen wird.

CLAUDIA BEER-ODEBRECHT

Flucht aus dem Kriegsgbiet

Die Teilrepublik Tschetschenien ist seit fast 20 Jahren der gefährlichste Unruheherd in Russland. Seit 1991 kämpft das islamische Kaukasus-Volk um Unabhängigkeit von Moskau. 26.000 Tschetschenen leben derzeit in Österreich, zwischen 800 und 900 in Kärnten. Tschetschenische Frauen haben nur eingeschränkte Rechte. Eine Ehe mit einem Nicht-Tschetschenen wird als Schande angesehen. Laut dem Grünen Peter Pilz soll der tschetschenische Präsident in Österreich ein 30 Personen großes Terror-Netzwerk unterhalten. Die Innenministerin versicherte gestern, dass es Ermittlungen gebe.

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