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Zuletzt aktualisiert: 17.11.2010 um 07:19 UhrKommentare

Papier für 67 Millionen Euro

Ein Blatt Papier für den Käufer, fette Gewinne für den Handel: Doch ab 2012 darf die Verpackung von Jausenbrot oder Extrawurst nicht mehr mitgewogen werden.

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Quelle © Peutz Viele Konsumenten sind überrascht und verärgert über die hohen "Nebenkosten"

Wie sich Schneeflocken zu Lawinen ballen, summieren sich Hunderte Millionen "Wurstpapierln", die alljährlich unbeachtet über die Theken gehen, zu unfassbaren 67 Millionen Euro. Diese Zahl stammt von Robert Edelmaier, dem Leiter der Mechanik-Abteilung im Bundesamt für Eichwesen.

Zahlen muss der meist unwissende Kunde. Das soll ab 1. Jänner 2012 vorbei sein, wie der Ministerrat gestern beschloss. Mit der "Tara-Taste" (nach arabisch tarh für "Abzug") kann man die Waage auf null stellen, nachdem man das Verpackungspapier aufgelegt hat. "Damit geht es in Zukunft nur mehr um die Wurst", wortspielt Konsumentenschutzminister Rudolf Hundstorfer.

Ein Blatt Lebensmittel-Papier wiegt im Schnitt sechs Gramm, sagt Edelmaier. Die Folgen sind überraschend: Kostet das eingewickelte Produkt 10 Euro pro Kilo, muss man für das Papier sechs Cent bezahlen: 1000 Cent geteilt durch 1000 Gramm mal 6 (Gramm) = 6 Cent. Zieht man Luxus-Prosciutto zu 50 Euro pro Kilo vor, kostet das gleiche Blatt 5000 Cent geteilt durch 1000 Gramm mal 6 (Gramm) = 30 Cent.

Kein Wunder, dass Lebensmittelhandel-Vertreter im ersten Schock von "Greißlersterben" sprachen und ankündigten, die entgangenen Einnahmen auf den Warenpreis umzulegen. Dagegen wäre rechtlich nichts einzuwenden. Ziel der "Tara"-Verordnung war es ja auch, die versteckten Kosten sichtbar zu machen und nicht, dem Handel zu schaden.

Die Arbeiterkammer ist mit dem Ergebnis des langen Kampfes zufrieden. "Es gibt immer wieder Anfragen", sagt Susanne Kalensky von der AK Kärnten. "Die Leute dachten, sie hätten zu viel bezahlt oder wussten nicht, ob sie auf Einsatz der Tara-Taste bestehen dürfen." Einige Filialleiter haben das nämlich untersagt.

Die Verordnung lässt Ausnahmen zu, etwa bei Obst und Gemüse, das die Kunden selbst abwiegen, bei Schutzpapier für lose Süßwaren oder bei Trennblättern, etwa zwischen Wurstlagen.

Ein Händler wird besonders leiden: Bei ihm lag immer ein Stapel Jausenpapier auf der Waage, bevor er die Semmel mit dem obersten Blatt eingewickelt hat.

J. PUSCHITZ, J. BENDELE

Billigpapier

6 Gramm Papier zum Kilopreis der Extrawurst in Höhe von 11,50 Euro kosten 6,9 Cent. Nicht viel, aber es summiert sich.

Luxuspapier

Ein Kilo dieses Prosciuttos kostet 49,90 Euro, das Papier 29,94 Cent. In 200 Werktagen kämen fast 60 Euro zusammen.

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