27 Prozent tun bei Verdacht auf Missbrauch nichts
Fast 30 Prozent aller Personen, die in ihrem Umfeld jemals den konkreten Verdacht auf sexuellen Missbrauch von Kindern gehegt haben, unternehmen nichts. Das Ergebnis der Studie der "möwe"-Kinderschutzzentren zitierte Hedwig Wölfl, die fachliche Leiterin der Zentren, im APA-Gespräch. Die Expertin rät, nicht in Panik zu verfallen, sondern "ruhig und besonnen zu bleiben" und fachliche Hilfe zu holen.
Anzeichen auf sexuellen Missbrauch von Kindern sind nur schwer zu erkennen, eindeutige Symptome gibt es nicht, lediglich "mögliche", die darauf hinweisen. Dazu zählen Ängste verschiedenster Art, etwa dass Kinder nicht alleine in die Schule gehen wollen, nicht schlafen können, sich zurückziehen oder stark klammern. "Plötzliche Verhaltensveränderungen können verschiedene Ursachen haben, müssen aber in jedem Fall ernst genommen werden", sagte die Expertin. Auch Leistungsabfall oder Konzentrationsstörungen sind mögliche Symptome. Ebenso Veränderungen, die den Umgang mit dem eigenen Körper, wie Essstörungen oder Einnässen, betreffen. Manche Kinder würden sich nicht mehr ausziehen oder waschen wollen, andere wiederum verspüren den Drang, sich unentwegt reinigen zu müssen. Auch sexualisiertes Verhalten oder eine Wortwahl, die nicht altersgemäß ist, könne darauf hinweisen.
Wer einen Verdacht auf sexuellen Missbrauch hegt, sollte nicht in Panik verfallen und voreilig Schlüsse ziehen. Wichtig sei zunächst die Hinweise zu sammeln, ruhig und besonnen zu bleiben und fachliche und emotionale Hilfe zu holen; etwa bei der "möwe", den Kinder- und Jugendanwaltschaften oder dem Jugendamt.
512 Fälle von sexuellem Missbrauch an Mädchen und Buben wurden im Jahr 2009 angezeigt. Den wenigen bekannten Opfern steht eine Vielzahl von Kindern gegenüber, deren Leid unentdeckt bleibt. Internationale Studien gehen von fünf bis zwölf Prozent an Betroffenen in der Bevölkerung aus.










