Erster Piraten-Prozess in den USA seit 1861
In den USA müssen sich zum ersten Mal seit fast 150 Jahren wieder Piraten vor einem Gericht verantworten. Angeklagt sind fünf Somalier, die im April vor der Küste des Krisenlandes am Horn von Afrika auf das US-Kriegsschiff USS Nicholas gefeuert haben sollen. Der Prozess im US-Staat Virginia begann am Dienstag mit der Auswahl der Geschworenen, wie die Zeitung "The Virginia Pilot" berichtete.
Die fünf Männer waren nach den Schüssen auf das Kriegsschiff, das sie für einen Frachter hielten, festgenommen und in die USA gebracht worden. Die Staatsanwaltschaft listet 14 Anklagepunkte auf, darunter Piraterie und versuchte Plünderung eines Schiffes. Die Männer hätten bei ihrer Festnahme automatische Waffen und einen Granatwerfer bei sich gehabt. Die Verteidigung wird dem Zeitungsbericht zufolge vermutlich argumentieren, die Männer seien zu Seeräuberei gezwungen worden. Das Verfahren wird voraussichtlich einen Monat dauern. Im Falle einer Verurteilung drohen den Angeklagten lebenslange Haftstrafen.
Professor Eugene Kontorovich, einer der führenden US-Seerechtsexperten, sagte dem US-Sender ABC, das Verfahren sei vermutlich der erste Piraterie-Prozess seit 1861. In jenem Jahr begann der amerikanische Bürgerkrieg. 13 Seeräuber aus dem Süden waren damals vor einem Gericht in New York angeklagt. Weil sich die Geschworenen aber auf kein Urteil einigen konnten, wurden die Männer später im Austausch gegen Angehörige der Nordstaaten-Armee freigelassen.










