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Zuletzt aktualisiert: 13.10.2010 um 15:52 UhrKommentare

Giftschlamm-Lawine forderte neuntes Todesopfer

Nach der Giftschlamm-Katastrophe in Westungarn soll das Unglückswerk noch vor Freitag wieder eröffnet werden. In Österreich wurden keine Schadstoffe in der Luft nachgewiesen.

Foto © APA

Die Umweltkatastrophe in Westungarn hat am Mittwoch ein neuntes Todesopfer gefordert: Eine durch die Überschwemmung mit Giftschlamm am 4. Oktober verletzte Personen sei in der Früh im Spital gestorben, berichtete die ungarische Nachrichtenagentur MTI am Mittwoch. Der ältere Bewohner der Ortschaft Kolontar habe sich während der Überflutung Verletzungen zugezogen. Durch den Ausfluss von einer Million Kubikmeter giftigem Rotschlamm aus einem Aluminiumwerk im Komitat Veszprem wurden rund 150 Personen verletzt.

Unglückswerk wird wieder hochgefahren

In der Unglücksfabrik soll am Donnerstag oder Freitag die Aluminium-Produktion wieder anlaufen. Die Behörden gaben nach eigenen Angaben am Mittwoch die Erlaubnis, das für die Produktion benötigte Kraftwerk hochzufahren. Andernfalls drohten große finanzielle Schäden. Die Fabrik des Aluherstellers MAL soll wegen des Unglücks bis zu zwei Jahre unter staatlicher Kontrolle bleiben.

Nach Ansicht der Regierung muss MAL die Kosten für die Aufräumarbeiten übernehmen. Das Unternehmen argumentiert dagegen, dass die Katastrophe durch Naturgewalten ausgelöst worden sei. MAL hat für seine Haftpflichtversicherung nur eine Deckungssumme von 20 Millionen Forinth (73.000 Euro), wie Firmenchef Lajos Tolnay der Zeitung "Figyelo" laut Vorabmeldung sagte.

Keine Schadstoffe in Österreichs Luft

Die ersten Messergebnisse der verstärkten Luftgüteüberwachung zeigen für Österreich keine Gefährdung durch den in Westungarn ausgetretenen Giftschlamm eines Aluminiumwerks: Die Staubproben wurden auf Quecksilber, Blei, Nickel, Chrom, Cadmium und Arsen analysiert und zeigten keinerlei Auffälligkeiten, teilte das Umweltbundesamt am Mittwoch mit. Die nachgewiesenen Werte lägen deutlich unter den als Jahresmittelwert festgelegten Grenzwerten im Immissionsschutzgesetz-Luft. Die Proben wurden in Illmitz im Burgenland genommen und seien bei Südostströmung repräsentativ für Nordostösterreich.

Österreich dürfte auch künftig nicht betroffen sein. "Selbst wenn der Schlamm austrocknet, verhält er sich wie Lehm und es gibt wenig Staub", erklärte Umweltexperte Marcus Hirtl von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Mittwoch. Bis Anfang kommender Woche verfrachte der Westwind zudem keine Luft aus Westungarn nach Österreich. Niederschläge, die die Situation für die Betroffenen im Komitat Veszprem verschärfen könnten, wurden für Sonntag prognostiziert.


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