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Zuletzt aktualisiert: 12.10.2010 um 10:00 UhrKommentare

Disco-Mord: Verdächtiger erinnert sich an Schüsse

Gespenstische Szenen spielten sich in der Nacht auf Dienstag in Wien-Floridsdorf ab. Eineinhalb Stunden lang wurde in der dunklen und sonst ruhigen Steinheilgasse die Tatrekonstruktion des sogenannten Disco-Mordes durchgeführt.

Tatrekonstruktion des sogenannten Disco-Mordes

Foto © APATatrekonstruktion des sogenannten Disco-Mordes

Tatrekonstruktion im Wiener Disco-Mord: Richterin, Staatsanwalt, Verteidiger und Schießsachverständiger machten sich ein Bild von Lichtverhältnissen und der Situation am Ort des Geschehens. Beide Verdächtigen wohnten der Tatrekonstruktion bei. Der mutmaßliche Schütze, der Rene M. getötet haben soll, kann sich weiterhin nicht an die Schussabgabe erinnern. Der zweite Verdächtige, der Fahrer des BMW, berichtete exakt, wann und wo die Schüsse abgegeben worden sind, berichtete Anwalt Werner Tomanek im Anschluss.

Rene M. war in der Nacht auf den 21. August nach einem Discobesuch mit einer Pistole in der Steinheilgasse auf offener Straße von einem roten BMW aus erschossen worden, während er zu Fuß nach Hause ging. Einer von vier abgegebenen Schüssen traf den 20-Jährigen ins Herz, dieser war laut Obduktion tödlich.

Aufgrund von Bildern aus zwei Überwachungskameras konnte aus über 700 infrage kommenden Pkw ein Fahrzeug ermittelt werden, das einen Tag nach der Tat abgemeldet worden war. Durch weitere Erhebungen stellte sich heraus, dass der 48-jährige Andreas K. dieses Auto öfters gefahren ist. Nicht zuletzt durch diesen Fahndungsdruck stellten sich er und sein 29-jähriger mutmaßlicher Komplize schließlich der Staatsanwaltschaft.

Bisher verantwortete sich der 29-Jährige Alexander H., dass er sich ebenfalls nicht an den Tathergang erinnern könne, er schloss lediglich aus, dass er aus dem roten BMW auf den jungen Mann geschossen hatte. Bei der Tatrekonstruktion in der Nacht auf Dienstag konnte der 29-Jährige laut Tomanek, dem Verteidiger von Andreas K., genau sagen, dass sein Beifahrer zunächst einen Schuss abgegeben habe. Danach soll der 48-Jährige drei weitere abgegeben haben, einer davon war für Rene M. tödlich.

Opfer nicht wahrgenommen

"Der Fahrer hat Rene M. aber nicht wahrgenommen", sagte der Anwalt. Er habe nicht damit gerechnet, dass hier jemand kommt. Die Sicherverhältnisse aus dem Auto hinaus seien zudem schlechter gewesen als auf der Straße, sagte Tomanek. Der 48-Jährige, bekleidet mit einer grauen Hose, Turnschuhen und dunkler Jacke, blieb bei seiner Version, dass er sich aufgrund seiner starken Alkoholisierung an nichts mehr erinnern könne. Alexander H. befindet sich auf freiem Fuß, während der mutmaßliche Schütze weiterhin in U-Haft sitzt. Die nächste Haftprüfung für den 48-Jährigen wird am 13. Oktober stattfinden.

Ganz klar ist es für den Anwalt noch nicht, wer in dem roten BMW Fahrer und wer Beifahrer und somit Schütze war, sagte Tomanek. "Es sind beide Versionen möglich." Der Verteidiger möchte nun das schriftliche Schießgutachten von Sachverständigen Ingo Wieser abwarten. Bei der Tatrekonstruktion ging es um eine Aufnahme von Sachbeweisen über Schüsse, Sicherverhältnisse und Geschwindigkeit des BMW.

Auch die Eltern von Rene M. wohnten der Szenerie bis zum Schluss bei. "Ich wollte wissen, wie es passiert ist", sagte die Mutter des Mordopfers. "So habe ich Klarheit gehabt, dass mein Kind keine Angst hat, weil er die Schüsse gar nicht mitbekommen hat."


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