Ungarn: Im Giftschlamm sinkt Orbans Stern
Ministerpräsident Viktor Orban steht angesichts der Giftschlamm-Katastrophe mit dem Rücken zur Wand. Das ungarische Umweltministerium ist sich indes sicher, dass ein zweiter Dammbruch nur mehr eine Frage der Zeit ist.

Foto © APAViktor Orban gerät immer mehr unter Druck
Das Schlimmste ist die Ungewissheit. "Wir sitzen auf einer Bombe, die noch gar nicht explodiert ist", warnte Karoly Tili, der Bürgermeister von Kolontar, schon vor Tagen. Nun sagt Ministerpräsident Viktor Orban: "Gut möglich, dass das bald passiert." Doch zugleich beschwichtigt der Premier, wie er das seit dem Unglück immer wieder tut: "Die Menschen hier sind traurig, aber nicht in Panik." In den Ohren der Betroffenen klingt das wie Hohn. "Orban ist gekommen und hat uns neue Häuser versprochen", sagt ein Mann und fragt: "Aber wann und wo werden die gebaut?" Im April hatten die Ungarn Orban mit einer Zweidrittelmehrheit gewählt. Das Land taumelt seit der Weltfinanzkrise am wirtschaftlichen Abgrund entlang. Die Arbeitslosigkeit ist in nur zwei Jahren von 5,8 auf 12,5 Prozent in die Höhe geschnellt. Orban jedoch stoppte Verhandlungen mit der EU und Internationalem Währungsfonds über weitere Kredithilfen. Ungarn sei stark genug, sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen. Nun watet der Premier durch den roten Schlick von Kolontar.
Das ungarische Umweltministerium ist sich indes sicher, dass der Damm eines Abfallbeckens unausweichlich brechen und eine weitere giftige Schlammwelle den Ort Kolontar überschwemmen wird. Umweltstaatssekretär Zoltan Illes sagte, die Risse in der Nordwand des Reservoirs der Aluminiumfabrik hätten nur vorübergehend aufgehört, sich zu vergrößern. Sie würden sich aber unaufhaltsam erweitern, besonders nachts. Mindestens sieben Menschen hat der Rotschlamm, der bei der Aluminiumerzeugung anfällt, bereits das Leben gekostet.










